Keine Ananas im Allgäu

Ernährungsexperte Udo Pollmer geißelt den Vegetarismus

Fritzlar. Wenn Landwirte als Sündenbock für Lebensmittelskandale herhalten müssen, liegt das auch an den Landwirten selbst. Diese These vertrat Udo Pollmer (Europäisches Institut für Lebensmittel und Ernährungswissenschaft) beim Agrarforum in Fritzlar.

Landwirte würden eher dies Klischees einer heilen Welt darstellen als die Wirklichkeit. Bilder von Schweinen im Stroh und Ferkeln auf dem Arm der jungen Bäuerin erzeugten falsche Erwartungen beim Verbraucher. Eher sollten die Landwirte mit Argumenten überzeugen und ihre Technik erklären. Beim Dioxin-Eier-Skandal wäre es beispielsweise gut gewesen, zu erklären, dass der Menschen im Vergleich zum Tier weniger empfindlich auf Dioxin reagiere, so Pollmer. Durch den Gebrauch des Feuers seit der Steinzeit sei der Mensch nämlich an Dioxine gewöhnt. Ein Hamster müsste 300 Millionen mit Dioxin verseuchte Eier essen, um daran zu sterben.

Pollmer räumte mit falschen Empfehlungen in Sachen Ernährung auf. Der Mensch sei naturgemäß ein Fleischfresser und habe weder einen Pansen wie die grasfressenden Wiederkäuer, noch esse er seinen Kot wie die Kaninchen. Der Vegetarismus sei besonders unter jungen Leuten verbreitet. "Das ist eine gefährliche Geschichte, weil sie die Abschaffung der Nutztierhaltung fordern", sagte der Lebenmittelchemiker.

Würde kein Mensch mehr Fleisch essen, gäbe es nicht genug zu essen. 60 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen seien ausschließlich für die Beweidung geeignet. "Ich kann im Allgäu keine Ananas anbauen", verdeutlichte er das Problem.

Mit Parolen wie "Vegetarier fressen dem Nutzvieh das Fressen weg" und "Der deutsche Luxus-Vegetarismus ist unökologisch und eine Schande für den Globus" wetterte Pollmer gegen vegetarische Gruppen, die zu politischen Mehrheiten werden könnten. Darauf müsse die Landwirtschaft acht geben, sagte er in Fritzlar.

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

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