Warzenente von Angela Decher und Frank Bräuer hatte sich abgesetzt – Partnerin als Belohnung

Erpel Victor hielt alle in Atem

Liebesglück: Angela Decher und Frank Bräuer freuen sich über Victors (im Bild hinten) Rückkehr. Der Erpel freut sich über Victoria. Foto: Köcher

Treysa. Die seltene Ente, die am Sonntagnachmittag vergangener Woche in aller Seelenruhe über die Wierastraße gewatschelt ist und wegen ihres besonderen Aussehens das Aufsehen mehrerer Passanten erregte (wir berichteten), ist mittlerweile namentlich bekannt: Das Federvieh ist eine Warzenente, die Victor heißt, dem Treysaer Frank Bräuer gehört und bei dessen Lebensgefährtin Angela Decher in einem Gehege im Garten ihres Hauses an der Wierastraße wohnt.

Aus dem Garten war der Erpel vor genau einer Woche ausgebüxt, berichtet Frank Bräuer. Das Tier hatte den noch niedrigen Zaun des Geheges überwunden und war in die Wiera gesprungen, die direkt hinter dem Grundstück entlang fließt.

Ein kleiner Ausflug wäre kein Problem gewesen, sagt Bräuer, denn Enten – deren Gewohnheiten er noch aus der Landwirtschaft des Vaters gut kennt – finden normalerweise immer den Weg nach Hause. Das Problem: Das Paar aus Wiera hatte den Erpel erst an diesem Tag von einem älteren Herren aus dem Vogelsbergkreis bekommen, der sich nicht mehr um das Tier kümmern konnte. „Und wahrscheinlich wurde Victor von seinen Frühlingsgefühlen übermannt“, glaubt Bräuer. „Wir haben dann überall gesucht“, sagt Angela Decher, die ihre Tochter und einen Bekannten zu Hilfe rief.

Erst tauchte Victor am Sonntagabend wieder kurz auf, putzte sich am Uferrand, verschwand aber wieder. Tags darauf entdeckte Bräuer Victor ein paar Hundert Meter entfernt zufällig am Straßenrand in Höhe der Firma Knoche. Daraufhin trieb er den Erpel an der Wiera entlang bis in den Garten des übernächsten Nachbarn.

Dieser wiederum machte in der Dämmerung das Licht im Keller an, das Victor anlockte. Dort fing der Nachbar das scheue Tier ein und verfrachtete Victor in einen Weidenkorb.

Für den Erpel gab es dann am Dienstag erstmal einen Tag Stubenarrest und einen höheren Zaun.

Am Tag darauf gab es aber eine schöne Überraschung für Victor – die Entendame Victoria. Die beiden ein Jahr alten Enten fanden sich sofort sympathisch und haben bereits Hochzeit gefeiert. Für Angela Decher hatte die nervenaufreibende Suche den positiven Effekt, dass sie die netten Nachbarn entlang der Wiera komplett kennengelernt hat. Und von allen wurde Victor als besonders schöner Erpel gelobt.

Stilles Federvieh

Das wird auch in Zukunft so bleiben: Von Entengequake bleiben die Anwohner verschont, denn wegen ihrer ruhigen Art werden Warzenenten auch als Stummenten bezeichnet, weiss Bräuer. Die kleine Expedition in der neuen Heimat hat der Erpel wegen seines Liebesglücks wohl längst vergessen.

Den beiden frischgebackenen Entenbesitzern, die von dem Trubel um ihre „Zeitungsente“ erst am Donnerstag aus der HNA erfahren hatten, bleibt die Episode voraussichtlich länger in Erinnerung. Angela Decher: „Das war eine ereignisreiche Woche, über die ich ein Buch schreiben könnte.“

Von Jürgen Köcher

Quelle: HNA

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