Erschöpft, aber glücklich: Premiere des Habichtswaldsteig Classic ist gelungen

Mit Zelt und Kochtopf durch die nordhessische Natur: Gut 50 Wanderer genossen die viertägige Tour vom Edersee zum Dörnberg. Fotos: Hoffmann

Zierenberg. Als Finn Merkes am Samstagnachmittag vom hohen Dörnberg runter auf die Helfensteine blickt, ist alle Müdigkeit vergessen. Obwohl er seit Mittwoch gut 80 Kilometer Wanderstrecke zurückgelegt hat, will er nur noch eins: die mächtigen Basaltfelsen erklimmen.

„Ich kletter unglaublich gern“, sagt der zwölfjährige Lohfeldener, der als Jüngster am ersten Habichtswaldsteig Classic teilgenommen hat. Erschöpft wirkt er nicht. „Waren doch nur zwölf Kilometer heute“, sagt er lachend und gibt dann doch zu, dass es manch Etappe ganz schön in sich hatte. „Am Freitag sind wir 30 Kilometer gelaufen, das war schon anstrengend, mein Vater hat glücklicherweise zwischendurch mal meinen Rucksack getragen.“

Dieses Glück hatte Manfred Büse nicht, dessen Füße ihn noch heute an den stattlichen Marsch von Bad Emstal bis zum Silbersee bei Habichtswald erinnern. „Die Zehen tun mächtig weh“, gesteht der 76-Jährige, der nicht nur des Spaßes wegen mitgewandert ist. „Ich wollte mal schauen, was noch so geht, und das ist offensichtlich noch eine ganze Menge.“ Manchmal habe er die Zähne zusammenbeißen müssen, sei man es ja für gewöhnlich nicht gewohnt, mit knapp 20 Kilo Gepäck auf dem Rücken durch die Gegend zu spazieren.

Idee aus Schweden 

Die Idee zum Wanderabenteuer mit Verpflegung und Übernachtung in der Natur hatte der Kasseler Outdoor-Ausrüster Manfred Hesse einst aus Schweden mitgebracht und damit schnell auch Claudia Thöne von der AG Habichtswaldsteig sowie Annika und Uwe Hartmann vom Zweckverband Naturpark Habichtswald überzeugen können. „Ohne sie wäre es nicht gegangen“, sagt Hesse, der zwar anfangs mit an die 200 Wanderern kalkuliert hatte, heute aber auch mit den gut 50 Teilnehmern mehr als zufrieden ist. „Mehr hätten wir organisatorisch wohl auch kaum stemmen können“, sagt der passionierte Wanderer, dem es vor allem darum ging zu zeigen, dass man für derartige Wandererlebnisse nicht in die Ferne schweifen muss. „Wir wollten unvergessliche Erlebnisse in unserem schönen Nordhessen schaffen, da bietet sich die herrliche Landschaft zwischen Edersee und Dörnberg einfach an.“

Die Tour führte auf 85 Kilometern entlang historischer Grenzen in alten Wäldern über Burgruinen und Schluchten Richtung Osten zum Bergpark Wilhelmshöhe und weiter hinauf zum sagenumwobenen Dörnberg. „Nur zwei Teilnehmer haben abgebrochen“, sagt Hesse, der Rest habe tapfer durchgehalten. Wohl auch wegen des guten Zusammenhalts innerhalb der Gruppe, der beim Abschlussfest am Samstag rund um das Naturparkzentrum am Hohen Dörnberg noch deutlich zu spüren ist. Nicht alle sind mehr so fit wie der zwölfjährige Finn, dafür aber umso glücklicher, beim Natur- und Landschaftsgenuss dabei gewesen zu sein. Manfred Büses Fazit trotz schmerzender Zehen: „Das schreit nach einer Wiederholung.“

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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