Der Höhepunkt des Karnevals beginnt mit der Weiberfastnacht – Schon im frühen Mittelalter trieben Narren ihr Unwesen

Erst ausgelassen feiern, dann verzichten

Närrisch: Ulrich Trzeciok war bis 2008 Stadtpfarrer in Naumburg und pflegt die katholische Karnevalstradition. Foto: Dietzel

Wolfhager Land. Von Weiberfastnacht bis Faschingsdienstag ist der Höhepunkt der närrischen Zeit. Jetzt feiern die Jecken im Altkreis Wolfhagen, bevor am Aschermittwoch alles vorbei ist. Aufzeichnungen zufolge gab es Jux und Narretei in deutschen Städten schon im 12. Jahrhundert, erklärt Ulrich Trzeciok, der bis 2008 Stadtpfarrer in Naumburg war.

Der Ursprung

Das Datum der Karnevalstage richtet sich nach dem Ostertermin und der 40-tägigen Fastenzeit. Das Wort Karneval stammt aus dem Lateinischen. „Es gibt zwei Interpretationen“, sagt Ulrich Trzeciok. Einer Überlieferung zufolge kommt es von carne vale, was „Fleisch, ade“ bedeute. „Denn von Aschermittwoch bis Ostern wurde früher kein Fleisch gegessen“, sagt Trzeciok. Die zweite Meinung beruht auf der Übersetzung von carrus novalis, was Schiffswagen bedeutet. Im alten Rom gab es einen Feiertag im Frühjahr, an dem nachgebaute Schiffe durch die Straßen gezogen wurden. „Mir ist aufgefallen, dass einige Wagen bei Festzügen im Rheinland Schiffen ähneln“, so Trzeciok. „Das ausgelassenes Remmi-Demmi an Karneval gab es auch schon bei den Römern.“

Im Mittelalter

„Diese Zeit ist das Gegenstück zur Fastenzeit, in der es früher keine Jubelfeiern und festlichen Trauungen gab“, sagt Trzeciok. Schon im frühen Mittelalter haben die Menschen zu dieser Jahreszeit viel Fleisch gegessen, einen weggebechert und Schabernack getrieben. Heute gehen die Leute aber auch nach Karneval in die Disco.“

„In den Tagen bis Aschermittwoch hauen die Menschen richtig auf den Putz.“ Die negative Rolle der bunt gekleideten Hofnarren, die bei Karnevalsumzügen durch die Straßen laufen, gehe auf Psalm 53 zurück: „Es spricht der Narr in seinem Herzen: Es gibt keinen Gott“ (Dixit insipiens in corde suo: Non est Deus).

Die Uniformen der Garden im Rheinland stammen aus der Zeit des Kaisers Napoleon. Der Karneval bot den Menschen ein Ventil, die Obrigkeit und somit strenge Regeln zu verhöhnen sowie ihren Lokalpatriotismus zu leben. „Die Dinge sind im Kern gleich geblieben“, sagt Trzeciok. „Auch heute wird die Politik aufs Korn genommen.

Auch Protestanten feiern

Die katholische Kirche habe lange vergeblich gegen das wilde Treiben an Karneval gekämpft. „Der Kirche war es nicht recht, dass über die Stränge geschlagen wurde.“ Mittlerweile feiern auch Protestanten mit.

Das findet Ulrich Trzeciok in Ordnung. „Die Abneigungen gegenüber der jeweils anderen Konfession sind zum Glück nicht mehr so wie früher.“

„Christ sein ist keine traurige Sache.“

Ulrich Trzeciok ehemaliger Stadtpfarrer

Der 70-Jährige ist mittendrin, wenn die fünfte Jahreszeit beginnt. „Feiern gehört zu unserem Leben dazu“, sagt Trzeciok. „Christ sein ist keine traurige Sache.“

Jedoch sollten sich Gläubige während der Fastenzeit auf das Ziel ihres Lebens besinnen. Zum Beispiel indem sie auf Fleisch oder Süßigkeiten verzichten oder Mitmenschen als Zeichen der Nächstenliebe einfach mal Blumen mitbringen.

Ulrich Trzeciok stammt aus Niederschlesien, wo Karneval während seiner Kindheit nicht so gefeiert wurde wie hier. Von Erzählungen seiner Eltern aber weiß er, dass sich die Menschen dort am Fastnachtsdienstag trafen, um zu tanzen und zu essen. „Das ist Karneval in seiner ursprünglichen Form: Es sich vor der Fastenzeit gut gehen zu lassen.“

Als Trzeciok nach Naumburg kam, lernte er die hiesigen Traditionen kennen. „Hier blieb mir nichts anderes übrig als ins Horn zu blasen.“

Von Stefanie Dietzel

Quelle: HNA

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