In Seigertshausen ist der alte Brauch des Kammerfenster-Ersteigerns bis heute lebendig

Erst klettern, dann die Eier

Warten auf den Angebeteten: Noch immer werden in Seigertshausen die Kammerfenster der jungen Mädchen ersteigert, hier eine nachgestellte Szene mit Ann-Kathrin Siebert anlässlich der Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen der Trachtengruppe Seigertshausen.

Neukirchen. Die Stunde der Junggesellen schlägt in Seigertshausen am Gründonnerstag: Noch immer organisiert an diesem Abend die Burschenschaft das Kammerfenster-Ersteigern.

Während in früheren Zeiten jedes der unverheirateten Mädchen bei der Versteigerung im Angebot war, habe sich inzwischen einiges verändert, erzählt Dina Knauf: „Wir wollten keine Versteigerungsopfer mehr sein.“

Zwei gesellige Runden

Und so finden inzwischen in der Dorfkneipe zwei gesellige Runden statt. Zum einen treffen sich dort in einem Raum die jungen Frauen, die bereit sind, an der österlichen Aktion teilzunehmen, zum anderen bieten nebenan die jungen Burschen für die Fenster der Mädel. Sechs bis sieben Stunden und mit vielen fröhlichen Liedern („pro Fenster ein Lied“) geht die Versteigerung meist vonstatten, sagt Simon George. Der 32-jährige war viele Jahre Burschenschaftsvorsitzender in Seigertshausen.

Damit sich auch die jungen Männer ohne eigenes Einkommen, die Auktion leisten können, ist der Einsatz limitiert. Auch soll dabei keiner leer ausgehen, also wird auch das Fensterangebot der Nachfrage angepasst. Der Lohn erwartet die jungen Männer dann in der Osternacht, berichtet Dina Knauf. Während einst die jungen Männer im Dorf die passenden Leitern stibitzen mussten – oft auch gar nicht wussten welches der Fenster an der Fassade, das der Liebsten war, ist die Aktion in heutiger Zeit durchorganisiert.

Gemäß Absprache warten oft mehrere Mädchen auf die jungen Männer in einem Zimmer, meist nicht nur mit den Ostereiern, sondern auch mit Essen und Getränken. Artikel unten

Von Sylke Grede

Quelle: HNA

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