Anfänge heutiger Rituale

Erste Feuerbestattungen vermutlich in Urnengräbern nahe Balhorn

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Die ersten Urnengräber: In der Nähe der Ortschaft Balhorn (gelbes Getreidefeld im Hintergrund) fanden zwischen 1200 und 800 vor Christus wohl die ersten Feuerbestattungen statt. Hier zu sehen ein Gefäß aus einem Grab sowie Überreste eines Skelettes.

Das Thema: Wann ließen sich die ersten Menschen im Wolfhager Land nieder und wie lebten sie vor tausenden von Jahren? Wie entwickelte sich der Alltag und der technische Fortschritt weiter? Antworten auf diese und ähnliche Fragen soll unsere Serie „Archäologie im Altkreis“ geben.

Balhorn. Beim heutigen Teil unserer Archäologie-Serie werfen wir einen weiteren Blick zurück in die späte Bronzezeit – frühe Eisenzeit. Knapp zwei Kilometer südwestlich von Balhorn befindet sich in der Gemarkung „Hinter der Landwehr“ ein Gräberfeld, welches auf den Zeitraum 1200 bis 800 vor Christus datiert ist.

Im Gegensatz zur ganz frühen Verfahrensweise der Bestattung unter Erd- oder Steinhügeln ging man seinerzeit dazu über, die Körper der Toten zu verbrennen.

In den Gräbern nahe Balhorn dürften also nicht nur die Vorfahren der heutigen Bewohner gelegen haben, dort sind auch die Anfänge der Urnenbestattungen zu finden, erläutert Dr. Irina Görner vom Landesmuseum Kassel. Von den einstigen Gräberfeldern ist heute nichts mehr zu sehen.

Aber auch bei der ersten Entdeckung im Jahr 1936, als Landwirt Heinrich Rohde einen Acker umpflügte und dabei auf Spuren aus der Vergangenheit stieß, waren nur noch wenige Spuren der Grabstätte intakt.

Überhaupt lassen sich – wie so oft – aufgrund des Zustandes kaum Rückschlüsse auf die damaligen Begleitumstände des Gräberfeldes ziehen. Alles in allem eine „Katastrophe“, sagt Expertin Görner.

Dies liege auch daran, dass nur zweimal Archäologen am Werk waren, trotz mehrerer Grabungen. Ein Umstand, der den damaligen Verhältnissen geschuldet und keineswegs eine Besonderheit ist. Görners Fazit: „Über 27 Jahre wurden hier (bei Balhorn) 41 Bestattungen eines Gräberfeldes in neun Notbergungen durch mindestens fünf unterschiedliche Ausgräber geborgen. Es gibt nur wenige Pläne und eine Skizze, ebenso wenige Fotos der Befunde.“ Nach den wenigen Informationen sei aber davon auszugehen, dass sich das Balhorner Gräberfeld auf Nachbarparzellen ausdehnte, also wesentlich größer gewesen sein könnte.

Görner sagt weiter: „Letzlich wird deutlich, wie wichtig eine komplette Ausgrabung und Dokumentation solcher Fundstellen ist.“ So zeige das Gräberfeld auf tragische Weise, wie schnell die Reste unserer Vergangenheit unwiederbringlich verloren gehen können und wie wichtig eine frühzeitige Meldung an die Denkmalschutzbehörden ist, um die Fragmente sachgerecht bergen zu können. „Kupferbeil und Bärenkralle“, Landkreis Kassel ISBN: 978-3-931787-58-5

Von Nicolai Ulbrich

Quelle: HNA

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