Margarete (85) und Waldemar (88) Hermann feiern heute in der Bergpark–Residenz Zierenberg ihre Eiserne Hochzeit

Erste Flüchtlingshochzeit in Zierenberg

Eisernes Hochzeitspaar: Vor 65 Jahren schlossen Margarete und Waldemar Hermann den Bund fürs Leben. Foto: Triesch

Zierenberg. Sie sind verliebt wie am ersten Tag – da sind sich Margarete und Waldemar Hermann einig. „Wir brauchen und helfen einander, denn wir sind ein eingespieltes Team“, sagt das Zierenberger Ehepaar. Und das nun schon seit 65 Jahren: Heute feiern die Hermanns Eiserne Hochzeit. Gemeinsam blicken sie zurück auf gute und schwere Zeiten. „Man muss in Freud‘ und Leid zusammenhalten“, erklärt Waldemar Hermann.

Als sich das junge Paar ineinander verliebte, lag die Welt um sie herum in Trümmern. „Es war 1946, der Zweite Weltkrieg erst kurz vorbei. Eine harte Zeit, es gab nichts. Aber wir waren jung und wollten Freude am Leben“, erinnern sich die Eheleute. Kennen gelernt haben sie sich auf einem Flüchtlingstanz in Zierenberg: „Wir haben uns fünf Minuten unterhalten und waren sofort verliebt“, erzählen beide. Nur wenige Monate später, am 5. April 1947, wurde die erste Flüchtlingshochzeit in Zierenberg gefeiert.

In jungen Jahren zur Wehrmacht eingezogen, wurde Waldemar Hermann an der russischen Front verwundet und bekam Heimaturlaub: „Meine Heimat Polen war aber inzwischen eingenommen, und ich konnte nicht mehr zurück.“ So geriet der damals 23-Jährige in Kriegsgefangenschaft, wurde zunächst nach Regensburg abtransportiert und kam von dort nach Kassel. Kurze Zeit später zog es ihn beruflich nach Zierenberg.

Fahrt ins Ungewisse

„Das war mein Glück auf Erden, denn dort kam auch der Flüchtlingszug mit meiner Frau an“, erzählt der 88-Jährige und hält die Hand seiner Margarete. „Es war eine schwere Zeit“, fügt diese hinzu. Denn kurz nachdem Vater und Bruder im Krieg starben, begann die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei und die damals 20-Jährige wurde mit ihrer Mutter in die Ungewissheit ausgesiedelt. Gemeinsam mit ihrem Waldemar habe sie die Schrecken der Zeit verarbeiten können.

Kurz nach der Eheschließung wuchs die kleine Familie. Während sich Margarete Hermann um Haushalt und Kinder kümmerte, qualifizierte sich ihr Mann weiter, wechselte aus der Landwirtschaft in das Maurer- und Putzerhandwerk und war die letzten 16 Jahre seines Arbeitslebens bei der Stadt Zierenberg beschäftigt.

„Wir haben uns ein einfaches, aber gemeinsames Leben aufgebaut und kaum eine Minute ohne den Anderen verbracht“, erzählt die 85-Jährige. Und ihr Mann fügt lächelnd hinzu: „Was Besseres konnte mir nicht passieren – ich hab meine Frau gern, die will ich bis zum Schluss behalten.“

Von Melanie Triesch

Quelle: HNA

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