Hilmar Liese war fast 24 Jahre lang Vorsitzender des Kirchenvorstands in Fritzlar

Der erste Laie tritt ab

Nur noch Besucher: Hilmar Liese war 24 Jahre lang im Kirchenvorstand Fritzlar tätig. Dann hat er das Feld für den Nachwuchs geräumt. Und o fing es an (kleines Bild): Das HNA-Foto von 1990 zeigt Liese und seinen Sohn Marcus. Damals war Liese Vorsitzender des Kirchenvorstands geworden. Foto: Dellit/Archivfoto: R. Berger

Fritzlar. Im Dekanat in Fritzlar kennt Hilmar Liese sich bestens aus. Wenn beim Kaffee die Löffel fehlen, weiß er, wo er suchen muss. Kein Wunder, denn Liese ist dort jahrzehntelang ein und aus gegangen.

Nach 24 Jahren hat er seinen Sitz im Kirchenvorstand (KV) in Fritzlar abgegeben. Die meiste Zeit davon war er Vorsitzender des Gremiums, das in den evangelischen Gemeinden einen großen Entscheidungsspielraum hat, und erhielt dafür die Elisabeth-Medaille der Landeskirche.

Als Hilmar Liese vor fast 24 Jahren den Vorsitz übernahm, war das eine Neuigkeit: „Der erste Laie“, stand über dem HNA-Artikel über Lieses Wahl, und dazu als Titelzeile ein Zitat des damaligen Pfarrers Reinhard Fink: „Wirste viel zu tun kriegen.“

Beides stimmte. Liese hatte, wie er jetzt erzählte, damals selbst gesagt, der Pfarrer müsse ja nicht automatisch Vorsitzender sein. Juristisch war das längst geklärt, aber an der Tagesordnung war es nicht. Und so fiel die Wahl auf den, der mit der Idee vorgeprescht war. „Anscheinend waren sie nicht ganz unzufrieden“, sagt der 70-Jährige. Damit muss er Recht haben, denn immer wieder wurde er an die Spitze des KV gewählt. „Es gibt Zeiten, wo es richtig Freude macht.“

Es gibt aber auch die anderen Zeiten, in denen viel Arbeit auf dem Schreibtisch liegt. So war es etwa in Vakanzzeiten, wenn Pfarrstellen unbesetzt waren. Und auch Konflikte waren auszuhalten; wie das so ist, wenn man Entscheidungen trifft. Am Herzen gelegen habe ihm immer die Arbeit der Kindertagesstätten, sagt Liese. Er verhandelte mit dem Bundesvermögensamt, bevor in der Flugplatzsiedlung die Kita Kinderarche einziehen konnte. Und er schlug zu, als es Zuschüsse gab, um die Kita am Domplatz zu erweitern.

Unmut gab es, als die Kirchengemeinde den Hort in der Kinderarche auslaufen lassen wollte, weil an der Grundschule eine Nachmittagsbetreuung aufgebaut wurde. In Zusammenarbeit mit der Stadt wurde eine Lösung gefunden; der Hort besteht vorerst weiter.

Gut in der Kirche aufgehoben

Liese selbst ist in Fritzlar konfirmiert worden und kam über die Kantorei als Erwachsener wieder zurück in das kirchliche Umfeld. Die positive Erinnerung an die Kindheit in der Kirche sei wieder durchgekommen. Deswegen sei die Kinder- und Jugendarbeit so wichtig: „Junge Leute müssen erleben: In der Kirche bin ich gut aufgehoben.“

Neben diesem Engagement ist Liese die Ökumene wichtiger geworden, also die Zusammenarbeit der Konfessionen. Er hatte noch erlebt, wie schwer es sein Bruder hatte, als er eine Katholikin heiraten wollte. Im vergangenen Jahr organisierte er eine gemeinsame Gemeindefahrt von Protestanten und Katholiken mit.

Mit all dem ist für Liese jetzt Schluss. Doch mit Sozialstation, BKK-Akademie, Fotografie und der Modelleisenbahn im Keller wird ihm wohl auch ohne Kirchenvorstand nicht langweilig werden.

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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