„Ich war mir gleich sicher, den Richtigen gefunden zu haben“

Erste Schwulenhochzeit in Wolfhagen: Liebe auf den ersten Klick

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Haben sich als erstes schwules Paar im Wolfhager Land getraut: Felix Riemann und Martin Brandt-Riemann.

Wolfhagen. Sie haben sich als das erste schwule Paar im Standesamtbezirk Wolfhagen das Ja-Wort gegeben: Felix Riemann und Martin Brandt-Riemann.

Pünktlich, als das frischvermählte Paar am Freitagmittag den Wolfhager Märchenkeller verlässt, zeigt sich die Sonne von ihrer besten Seite. Freunde und Kollegen sind gekommen, um den Eheleuten zu gratulieren und sie mit kleinen Spielchen, Seifenblasen und einem Gläschen Sekt im Hafen der Ehe zu begrüßen. Alles wirkt wie bei einer ganz gewöhnlichen Hochzeit, nur eines ist anders: Es gibt keine Braut. Mit Felix Riemann und Martin Brandt-Riemann hat sich gerade das erste schwule Paar im Standesamtsbezirk Wolfhagen getraut, und sich damit einen langersehnten Wunsch erfüllt.

Es war Liebe auf den ersten Klick, denn getroffen haben sich die Männer im Januar 2011 in einem Internetportal. „Hier auf dem Land ist es ansonsten schwer, jemanden kennenzulernen“, sagt Brandt, der umso glücklicher ist, seinen Felix gefunden zu haben. Die Chemie stimmte einfach, und das erste Treffen fand noch am selben Tag statt. „Sympathie war von Anfang an da, ich war mir gleich sicher, den Richtigen gefunden zu haben“, sagt Riemann, der sich dennoch in Geduld üben musste.

Ein paar Monate nämlich sollte es noch dauern, bis aus dem Verliebtsein eine echte Beziehung wurde. „Ich habe etwas länger gebraucht“, erinnert sich Brandt noch genau an den 25. Mai vor sieben Jahren, als er seinen Freund fragte, ob sie es miteinander versuchen sollten. „Unsere Hochzeit fällt somit auf unseren siebten Jahrestag“, sagt der 31-jährige Balhorner, der seinem Partner dann vor zwei Jahren schließlich auch einen Heiratsantrag machte. Da allerdings war die Gesetzgebung noch nicht so weit und erlaubte lediglich eine eingetragene Lebenspartnerschaft. „Das war nichts Halbes und nichts Ganzes, es reichte uns einfach nicht“, sagt Riemann, der schon da optimistisch war, dass die „Ehe für alle“ bald kommen würde. Im Juli vergangenen Jahres war es dann soweit, und im November begannen die Hochzeitsplanungen.

Vor dem Rathauskeller in Wolfhagen

Für Helmut Rupp vom Wolfhager Standesamt ist es die erste „Ehe für alle“. „Wir hatten in der Vergangenheit schon einige Umwandlungen, das heißt Paare, die bereits eine Lebenspartnerschaft eingegangen waren, und diese in eine Ehe umgewandelt haben“, so der Standesbeamte, der keinen Unterschied zwischen homo und hetero macht. „Die gleichgeschlechtlichen Ehepaare werden genauso behandelt wie andere, auch die Zeremonie ist vom Ablauf her die gleiche.“ Lediglich die Software sei noch nicht an die neue Gesetzeslage angepasst, bis zum November würden daher in den elektronischen Registern noch die Bezeichnungen Ehemann und Ehefrau stehen.

Das stört die beiden Rettungsassistenten nicht, denn immerhin in der Heiratsurkunde sind beide als Ehegatten aufgeführt. „Hauptsache, wir sind verheiratet“, sagt Riemann und will allen anderen gleichgeschlechtlichen Paaren Mut machen, sich zu ihrer Liebe zu bekennen. „Sich zu verstecken, ist das Schlimmste, was man machen kann“, so der 26-Jährige. Er selbst habe überwiegend positive Erfahrungen gemacht, und was letztlich zähle, sei ohnehin nur die Liebe – egal ob zwischen Mann und Frau, Frau und Frau oder Mann und Mann.

Quelle: HNA

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