Erster Schritt auf dem Weg zu Windrädern im Wald

Nichts als Wald am Horizont: Der aktuelle Blick auf den Alten Wald vom Elbenberger Schloss aus. Wird der Windpark Wirklichkeit, wird sich die Aussicht grundlegend verändert. Foto:  Norbert Müller

Naumburg. Die Aussichten sind verlockend: Pro Windkraftanlage, die im Naumburger Stadtwald errichtet wird, darf die Kommune mit jährlichen Pachteinnahmen in Höhe von bis zu 40 000 Euro rechnen.

Schon zwei der im Gutachten aufgeführten Windmühlen würden ausreichen, um den gesamten Strombedarf der Stadt Naumburg zu decken, so Bürgermeister Stefan Hable. Weiterer wichtiger Aspekt: Die Stadt würde mit ihren Anlagen ihren Beitrag leisten im Kampf gegen den Klimawandel.

Die andere Seite der Medaille: Die Windmühlen würden das Landschaftsbild nachhaltig verändern. Zwar sei auch über die Anzahl der Windkraftanlagen noch keinerlei Entscheidung getroffen, laut Gesetzgeber werden aber nur noch Projekte mit mindestens vier Anlagen genehmigt. Im Gutachten für die Stadt Naumburg sind vom Auftraggeber neun Messpunkte vorgegeben, ihre Anordnung könnte der eines späteren Windparks entsprechen.

Und das würde in der Konsequenz bedeuten, dass die mit 200 Metern Höhe alles überragenden Stromerzeuger sich von der Netzer Straße entlang des Kamms bis südlich von Altendorf auf Höhe von Königshagen reihen. Die Elbenberger hätten dann in Richtung Westen direkte Sicht auf die Anlagen.

Der Eingriff in die Natur und in das Landschaftsbild weckt Emotionen und ruft schnell Gegner auf den Plan, das zeigt das Beispiel Windpark Rödeser Berg bei Wolfhagen, wo vier Windräder im Waldgebiet in Planung sind.

In Naumburg hat bereits Klaus Albrecht, einziger Stadtverordneter der Linken, Widerstand angekündigt. Bei der Abstimmung zur Aufnahme der Naumburger Waldfläche in den Teilregionalplanentwurf war er nicht anwesend, dem Beschluss hätte er aber auch „unmöglich zustimmen können“.

Albrecht befürchtet „einen entscheidenden Schritt hin zur Zerstörung von Landschafts- und Naturraum“. Und: „Die riesigen Anlagen zerstören nicht nur das Landschaftsbild nachhaltig, sie zerstören auch Wald in großem Umfang bei Bau und Wartung.“

Sehr weiter Weg

Bis allerdings die ersten Baumaschinen anrücken, ist es noch ein sehr weiter Weg. Zunächst müsste die Fläche überhaupt in den Teilregionalplanentwurf Energie aufgenommen werden. Und wenn das gelungen ist, sind noch ganz andere Hürden zu nehmen. Beispielsweise Gutachten, die die Unbedenklichkeit in Sachen Naturschutz belegen.

Martin Rühl, Geschäftsführer der Stadtwerke-Union Nordhessen (SUN) und gleichzeitig auch der Stadtwerke Wolfhagen, kennt sich bestens aus. Der K.O. könne schon in der ersten Runde kommen, wenn beispielsweise Rotmilan oder Schwarzstorch nachgewiesen werden: „Wenn die dort vorkommen, dann kann man das Buch gleich zumachen.“

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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