Nach der Eröffnung im Frühjahr 2016 bleiben nun die Kunden aus

Erstes Geschäft in Schwalmgalerie zu: Polos Nudeln vorübergehend geschlossen

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Geschlossen: Seit Anfang der Woche ist der Betrieb des Nudelrestaurants in der Schwalmgalerie in Treysa eingestellt, vorübergehend, so die Betreiber. Koch Benjamin Pospiech (links) und Lothar Schmidt. 

Schwalmstadt. Eine Geschäftsaufgabe, die aufhorchen lässt – das viel gelobte „Polos Nudeln“ in der Schwalmgalerie ist dicht – erst einmal, wie es heißt. Wir sprachen mit einem der beiden Betreiber.

Herr Schmidt, Sie haben Anfang der Woche ihr Restaurant „Polos Nudeln“ in der Schwalmgalerie geschlossen, warum?

Lothar Schmidt: Mein Geschäftspartner Dieter Laudenbach und ich haben das vor einigen Tagen beschließen müssen, im Moment ist der Betrieb kostspieliger als das Restaurant zu schließen. Ich betone, dass wir das als vorübergehend ansehen.

Warum funktioniert es gerade nicht?

Schmidt: Es liegt an der Baustellensituation. Seit der Eröffnung der Galerie vor eineinhalb Jahren hatten wir permanent Baustellen. Es ist gut und wichtig, die Attraktivität der Stadt zu verbessern, aber diese pausenlose Folge von Baustellen ist zu heftig. Die Kunden beziehungsweise Gäste weichen anderswohin aus.

Wie groß sind ihre Einbußen denn?

Schmidt: Seit der Sperrung der Mainzer Brücke und der Straße nach Wiera sind die Umsätze um die Hälfte zurückgegangen. Ich habe gehört, dass es auch anderen Geschäftsleuten in der Schwalmgalerie so geht.

Warum reagieren die Kunden so?

Schmidt: Die Leute sind genervt, und die, die noch kommen, erledigen so schnell wie möglich ihre Besorgung und gehen wieder. Die haben nicht die geringste Lust, zu bummeln.

Gibt es nicht auch Probleme anderer Art?

Schmidt: Ja, es gibt hausgemachte Probleme, man muss der Schwalmgalerie eine nicht ausreichende Attraktivität bescheinigen. Es lädt zu wenig zum Verweilen ein. Die Probleme wurden schon angelegt, als man auf das zweite Stockwerk verzichten und die Schwalmgalerie praktisch neu planen musste, dabei sind Fehler gemacht worden.

Was denn für Fehler?

Schmidt: Aus brandschutzrechtlichen Gründen darf heute vor den Geschäften eigentlich gar nichts sein, das wurde in Kauf genommen.

Es würde aber die Attraktivität erhöhen, wenn das Center besser ausgestattet wäre und auch Aktionen stattfinden würden.

Haben Sie sich darum denn bemüht?

Schmidt: Durchaus, einige Pächter sind schon länger an Planungen, die Attraktivität zu erhöhen. Denkbar sind Vorführungen, Präsentationen, Aktionen, anders wo wird das ja erfolgreich vorgemacht. Hier aber findet nichts statt. Die großen Filialisten haben auch an so etwas kein Interesse.

Haben Sie das gegenüber den Eigentümern der Schwalmgalerie kommuniziert?

Schmidt: Ja, aber mit dem Verkauf der Schwalmgalerie an das riesige Unternehmen MEAG in München ist die Verständigung schwierig geworden. Die Verwaltung sitzt jetzt in Köln, es gibt Versprechungen, aber nichts passiert.

Kann sich die Situation wieder verbessern?

Schmidt: Durchaus, wenn alles einmal fertig ist, bis hin zum VR-Bank-Center und eventuell auch in der Schmelzau gegenüber dem Walkmühlencenter. Ich bin der festen Überzeugung, dass Schwalmstadt attraktiv ist und Kunden auch von weiter weg kommen werden, wenn alles stimmt.

Zu welchem Zeitpunkt wird das sein?

Schmidt: Ich denke, wir sprechen da von vier bis fünf Jahren. Es wird, wenn sich alles beruhigt hat mindesten ein Jahr in Anspruch nehmen, verlorene, abgewanderte Kunden wieder zurück zu holen.

Jetzt sinkt die Attraktivität der Schwalmgalerie durch ihre Schließung zusätzlich.

Schmidt: Ja, wir haben viele Komplimente für unseren Laden bekommen. Aus rein wirtschaftlichen Gründen hätte man wohl gar nicht eröffnen sollen, aber wir haben uns wirklich auch einen Traum erfüllt. Ich stehe hinter dem Konzept der Frische und Qualität. Eine Wurstbude wollte ich nie. Und es soll ja zu einem späteren Zeitpunkt auch weitergehen.

Sie haben am Montag nicht mehr aufgemacht, auch die Tische und Stühle draußen sind weg.

Schmidt: Ja, den Bereich können wir jetzt nicht mehr pflegen und sauberhalten. Die Bestuhlung, die übrigens nicht behaglich genug ist, war sehr eilig von der Galerieverwaltung angeschafft worden. Es waren überwiegend gar nicht unsere Kunden, aber wir haben trotzdem Ordnung gemacht. Was wir belassen, ist die Eisbar, den Nudelladen kann man für Veranstaltungen pachten.

Wieviele Leute verlieren ihre Arbeit?

Schmidt: Eine Mitarbeiterin mussten wir leider entlassen, es gab zwei Vollzeit- und zwei Teilzeitler, außerdem Aushilfen.

Quelle: HNA

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