Bund fürs Leben mit Gottes Segen

Zwei Männer vorm Altar: Florian Millot und Stefan Gsänger sagen Ja

Glückliche Partnerschaft: Florian Millot (32, links) und Stefan Gsänger (39) aus Treysa lassen heute in der Ziegenhainer Schlosskirche ihre Lebenspartnerschaft segnen. Bei den Eheringen haben sie sich für ein schlichtes Modell entschieden. Fotos:  Schittelkopp

Schwalmstadt. Als erstes homosexuelle Paar im Landkreis treten Florian Millot und Stefan Gsänger am Samstag vor den Altar.

„Kitschiger geht es kaum“, scherzt Stefan Gsänger über seine eigene Hochzeit. Der Treysaer wird am Valentinstag die Liebe seine Lebens heiraten. Der 39-Jährige und sein Freund Florian Millot, ab heute Florian Gsänger, schließen den Bund fürs Leben. Als erstes schwules Paar im Schwalm-Eder-Kreis lassen sie ihre Lebenspartnerschaft in einem Gottesdienst segnen.

Zwölf Jahre lang engagierte sich Gsänger im Kirchenvorstand, die Kirche und der Glaube gehören zu seinem Leben dazu. „Ich möchte in die Kirche und vor dem Altar heiraten“, sagt Gsänger. Zuvor war die Segnung nicht öffentlich während der Seelsorge möglich. Es wäre für das Paar nicht in Frage gekommen, sich im stillen Kämmerlein trauen zu lassen.„Der Segen vor dem Altar ist intensiver.“ Die beiden begrüßen es sehr, dass die Landeskirche die Segnung im Gottesdienst ermöglicht hat.

Den Gottesdienst in der Schlosskirche leitet Pfarrer Ingo Fulda, bei der Segnung bekommt er Unterstützung von Vikarin Anke Mölleken, einer Freundin des Paares. Pfarrer können aus Gewissensgründen die Segnung allerdings ablehnen, das stellt die Evangelische Landeskirche ihnen frei.

Die Ja-Frage beantworten die beiden Zukünftigen allerdings nicht, vielmehr geben sie sich ein Trauversprechen. „Ich bin schon aufgeregt, dass ich mich nicht verhaspele“, sagt der 32-jährige Flugbegleiter Millot, er wird einen kleinen Zettel als Gedächtnisstütze mitnehmen. Als Trauspruch haben sie die Jahreslosung gewählt: „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat.“, weil sie optimal zu ihrer Lebenssituation passt.

Seit zehn Jahren führen die Männer eine Beziehung. Im Februar 2005 kamen sie zusammen, sie hatten sich über Freunde kennengelernt und danach im Internet Kontakt gepflegt. „Wir haben überlegt, welchen Tag wir für die Hochzeit wählen“, erzählt Gsänger, die Feierlichkeit sollte rund um ihr Zehnjähriges stattfinden. So entschieden sie sich für die Trauung am Tag der Liebenden.

Wie bei anderen Paaren auch, fiel die Entscheidung für den gemeinsamen Lebensbund aus emotionalen und rationalen Gründen. „Wir leben seit zehn Jahren zusammen, wir wollen das nicht mehr rückgängig machen“, sagt Millot. Das Paar hat eine gemeinsame Wohnung, der Golden Retriever Floyd komplettiert die kleine Familie. „Wir wollen Verantwortung für den anderen übernehmen.“

Vor der Segnung in der Schlosskirche wird Bürgermeister Dr. Gerald Näser die Lebenspartnerschaft der beiden in der Hospitalskapelle, dem Treysaer Standesamt, beurkunden. Gefeiert wird danach mit gutem Wein bei dem Bräutigam-Paar Zuhause, 20 Gäste sind eingeladen. Ein Bekannter bekocht die Gesellschaft. Eine besondere Bedeutung hat der Anzug, den er zur Trauung trägt, für Florian Millot. Den Nadelstreifen-Zweiteiler kaufte er mit seiner verstorben Großmutter. Für die Eheringe fiel die Wahl auf ein schlichtes Modell aus Silber, eine Seite poliert, die anderes aufgeraut - als Symbol des Zusammenhalts in guten wie in schlechten Zeiten.

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

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