Neue Sicherungsverwahrung

Sicherungsverwahrung: Im Erweiterungsbau der JVA laufen Bauarbeiten an

Umbau hinter Mauern: Im Innenhof des Erweiterungsbau wurden Container aufgestellt. Vollzugsbeamter Heinz Lemanzick (oben) zeigt den Durchbruch zwischen zwei Hafträumen. Fotos: Grede

Ziegenhain. Wanddurchbrüche in Gefängniszellen - was für einen Gefängnisdirektor ein Albtraum sein muss, ist für den Anstaltsleiter des Ziegenhainer Gefängnisses in den kommenden Monaten Realität. Denn aus den Zellen sollen zweiteilige Appartements werden.

Im Erweiterungsbau der Haftanstalt entsteht bis Anfang kommenden Jahres Hessens und Thüringens gemeinsame Sicherungsverwahrung. Nach dem Einrichten der Baustelle haben inzwischen die eigentlichen Bauarbeiten in diesem Gefängnistrakt begonnen.

Was Anstaltsleiter Jörg Bachmann als „eine Operation am offenen Herzen“ bezeichnet, wird schnell deutlich. Der Sicherheitsapparat des Gefängnisse muss mitten im Baubetrieb besonders gut funktionieren. Denn während der Bauarbeiten bleiben immerhin 160 Insassen im Gefängnis und werden nicht an eine andere Haftanstalt überstellt. Dass das reibungslos läuft, dazu diente eine zweimonatige Vorbereitungsphase.

Das Abstandsgebot zur Haftanstalt - eine der gesetzlichen Vorgaben für die neue Sicherungsverwahrung - greift schon für die Umbauarbeiten. Die werden vollkommen abgetrennt von den anderen Gefängnistrakten laufen. Durch das Gefängnistor am Lüdertor, durch das 1993 ein Mörder mit einem Panzer befreit wurde, werden bis zu 50 Bauarbeiter samt schwerem Gerät täglich in der Haftanstalt ein und aus gehen. Die haben nicht nur täglich vier Vollzugsbeamte im Blick, sie wurden auch vom Landeskriminalamt wegen möglicher Vorstrafen durchleuchtet.

Im Erweiterungsbau liefen bis jetzt die Vorbereitungen. Die ergebnislose Suche nach möglichen Schadstoffen, Treppen wurden zum Schutz abgeklebt, Kabelschächte freigelegt, die Anstaltsküche vorübergehend geschlossen. Auch gab es versuchsweise schon erste Wanddurchbrüche - den zwei Zellen sollen künftig zu einem zweiteiligen Wohnraum werden. Und das, was ein Gefängnis als ausbruchssicher macht, erweist sich nun als besonders harter Brocken: der spezielle Beton, der sich unter anderem aus Kieselsteinen und mehrfachen Stahlmatten zusammensetzt. Mit Flex und Bohrer haben die Arbeiter für einen Durchbruch immerhin anderthalb Tage benötigt, sagt Heinz Lemanzick, der als Bereichsleiter die Bauarbeiten im Blick hat. Mit speziellen Sägen könne man allerdings zwei an einem Tag schaffen, haben die Versuche ergeben.

Insgesamt sollen 63 Appartements entstehen. Geplant sind etwa 18 Quadratmeter große zweiteilige Zimmer mit einem Bad. Übergangsweise sind die Sicherungsverwahrten derzeit in der Haftanstalt in Weiterstadt untergebracht. Das Justizministerium rechnet für Anfang des kommenden Jahres mit deren Umzug zurück nach Schwalmstadt.

Von Sylke Grede

Quelle: HNA

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