Erwin Bernhardt ist seit 50 Jahren als Organist in Immichenhain tätig

+
Eingespieltes Team: Erwin Bernhardt spielt seit 50 Jahren die Orgel in der Immichenhainer Klosterkirche. 1964 wurde er konfirmiert und gleichzeitig die neue Orgel eingeweiht. Foto:  Schittelkopp

Immichenhain. Seit 50 Jahren spielt Dr. Erwin Bernhardt an jedem Sonntag und an jedem kirchlichen Feiertag die Orgel in der Klosterkirche in Immichenhain. Er kennt das dortige Instrument wie kein zweiter. Als Bernhardt 1964 konfirmiert wurde und als Organist begann, wurde auch die neu gebaute Orgel eingeweiht.

Bereits als Kind war der Immichenhainer musikalisch aktiv, spielte im Posaunenchor und in der Akkordeongruppe. Als er zwölf Jahre alt war, fragte sein damaliger Lehrer ihn, ob er das Orgelspielen lernen wollte. „Ich kam von Null an die Orgel“, erinnert er sich heute. Denn ab dann ging es zwei Jahre lang ein-, zweimal pro Woche mit dem Fahrrad zum Klavierunterricht nach Neukirchen, danach folgten drei Monate Orgelstunden. Und Immichenhain hatte einen neuen Organisten.

Bernhardt führt ein aktives Leben: Er lernte Landmaschinenmechaniker, absolvierte ein Maschinenbaustudium, ein Lehramtsstudium und promovierte in Berufspädagogik. 35 Jahre lang arbeitete er als Lehrer für Maschinenbautechnik und Physik in Alsfeld. Zudem ist er verheiratet und hat zwei Kinder. Die Musik spielte im Leben des Ingenieurs immer ein große Rolle.

„Man muss etwas tun, damit die Leute in die Kirche gehen.“

In den 1970er- Jahren trat er mit seiner Band Travellers in der Region auf. „Wir spielten Tanzmusik“, sagt er. Auch wenn das Konzert länger dauerte, am Sonntag saß der Immichenhainer pünktlich an seiner Orgel.

Nur einmal übermannte ihn die Müdigkeit: Mit seiner Band hatte er bis in die frühen Morgenstunden gespielt. Damals begann der Gottesdienst in Immichenhain zur Mittagszeit. „Ich hatte zuvor zu Mittag gegessen und muss wohl während der Predigt weggenickt sein“, erzählt er, die Stimme des Pfarrers holte ihn zurück. Seine Mutter saß unten in den Kirchbänken: „Sie wusste sofort, was los war“, sagt er und muss schmunzeln.

Überhaupt hat sich in 50 Jahren als Organist viel verändert. Früher saßen die Männer beim Kirchenbesuch auf der Empore und die Frauen unten. „Der Kirchenbesuch gehörte einfach dazu.“ Das hat sich heute geändert. Die Reihen der Besucher lichten sich. Die älteren Leute können nicht mehr kommen oder sterben, die jüngeren schlafen lieber aus oder verbringen den Morgen mit der Familie.

Seit 35 Jahren engagiert sich Bernhardt im Kirchenvorstand. „Man muss etwas tun, damit die Leute in die Kirche gehen.“ Er hat viele Ideen, wie man moderne Musik in die heiligen Hallen bringen könnte. Zweimal im Jahr wünscht er sich einen Gottesdienst mit einer Band. Besondere Konzerte würden die anlocken, die sonst keine Kirchgänger sind.

Nach 50 Jahren jeden Sonntag an der Orgel denkt der Immichenhainer zwar nicht ans Aufhören, kürzer treten möchte er allerdings schon und sich die Stelle mit jemandem teilen. „Dann spiele ich, solange sich meine Finger bewegen.“

• Am Sonntag, 18. Mai, wird der Organist geehrt. Der Gottesdienst beginnt um 17 Uhr in der Klosterkirche in Immichenhain. Erwin Bernhardt bekommt eine Medaille der Landeskirche, Dekan Christian Wachter nimmt die Ehrung vor.

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare