Erziehung im Wandel: Beiserhaus wird 170 Jahre

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Klassische Ausbildung im Beiserhaus: Harald Recke, Leiter der Stiftung Beiserhaus, Mirko Sauermann und Alexander Draber mit Ausbilder Peter Wollenhaupt.

Rengshausen. Eine Heim-Erziehung wie in den sechziger Jahren, gibt es heute nicht mehr, sagt der Leiter des Beiserhauses Harald Recke. Im dem Haus für Jugendhilfe in Rengshausen, werden zwar immer noch Jugendliche unterstützt, die einen schwierigen Start ins Leben haben, aber das sieht ganz anders aus.

Persönlichkeitsentwicklung und individuelle Förderung seien heutige Erziehungsmaßstäbe. Das will Recke am ersten Juliwochenende vorstellen. Dann feiert das Beiserhaus sein 170-jähriges Bestehen. Die Veranstaltung ist für den Freitag, 4. Juli, ab 10 Uhr geplant.

„Familiäre Strukturen in kleinen Gruppen sind das Ziel“, sagt Recke. Man wolle den jungen Menschen heute die Möglichkeit geben, sich individuell zu entwickeln. Dazu gehöre ein hoher Personalschlüssel. Mädchen und Jungen sind daher in kleinen Wohngruppen untergebracht.

Entwicklungsfördernd gibt es ambulante Angebote dazu, wie die Tagesgruppenarbeit. Neu sind auch zwei therapeutische Wohngruppen. Dort bekommen die Jugendlichen psychologische Hilfe, einmal pro Woche reist ein Kinder- und Jugendtherapeut aus Marburg zum Gespräch an, eine psychiatrische Station ist angebunden, falls es zu akuten Krisen kommt.

Therapeutische Unterstützungen spielten eine immer größere Rolle, so Recke. Denn Armut, alleinige Erziehung sowie Suchtprobleme der Eltern seien die drei Hauptgründe, wenn es zu Krisen bei der Erziehung junger Menschen kommt. Und die gesellschaftliche Entwicklung zeige, es gebe viele Menschen, denen es gut gehe, aber auch immer mehr, die von Armut bedroht seien und immer mehr allein Erziehende. Doch es gebe auch einen positiven Trend. Immer mehr Eltern seien offen dafür, sich Rat zu holen. Recke: „Wenn Probleme früh erkannt werden, können Kinder und Eltern daran arbeiten und die Jugendlichen oft in ihrer Familie bleiben.“ Weiterer Schwerpunkt der Arbeit im Beiserhaus sei die Betreuung jugendlicher minderjährige Asylbewerber.

Wegen der Flüchtlingsproblematik sei die Nachfrage nach solchen Plätzen groß. Etwa 50 junge Menschen aus Eritrea, Afghanistan und Somalia sind im Moment in der Stiftung untergebracht, bekommen Sprachunterricht und werden gefördert. Weiterhin gibt es außerdem die Ausbildungsstätten im Haupthaus mit den Werkstätten.

Die Stiftung Beiserhaus entstand aus der „Rettungsanstalt für verwahrloste Jugendliche“, die Pfarrer Emil Rausch in der Kirchengemeinde Rengshausen 1844 gegründet hatte.

Er wollte jungen Menschen, denen durch Armut und soziale Not Entwicklungschancen genommen schienen, im Beiserhaus persönliche Zuwendung, Lernmöglichkeiten und neue konkrete Zukunftsperspektiven geben.

Heute werden 300 Jugendliche im Schwalm-Eder-Kreis, dem Kreis Hersfeld-Rotenburg, Werra-Meißner-Kreis in Hessen und Schmalkalden-Meiningen in Thüringen. 200 Mitarbeiter sind dafür im Einsatz.

Seinen 170. Geburtstag feiert das Beiserhaus am Freitag, 4. Juli, von 10 bis 17 Uhr mit einem Aktions- und Erlebnistag. Dann gibt es ein buntes Programm, mit Hüpfburg, Spiel und Spaß, Live-Musik, Kutschfahrten und Reitvorführungen und Ponyreiten sowie Workshops, Cocktailbar und Internationale Speisen. Die Werkstätten können besichtigt werden. Infos: www.beiserhaus. org. (red)

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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