Journalist sprach sich für gemeinsame Werte aus

Ulrich Wickert sprach in Gudensberg

Großes Interesse am prominenten Autor und seinen Werken: Nach seinem Vortrag signierte Ulrich Wickert ungezählte Bücher (oben). Das Volksbank-Werbelied „Hungriges Herz“ intonierte der Chor Chorios aus Wabern-Harle (rechts).

Gudensberg. Als Joachim Gauck vor einem Jahr beim Mitgliederforum der VR-Bank Chattengau in Gudensberg einen viel beachteten Vortrag über Freiheit und Verantwortung hielt, hätte keiner geahnt, dass er kurze Zeit später der neue Bundespräsident sein würde.

„Wir werden Ihren weiteren Werdegang aufmerksam beobachten“, sagte am Donnerstagabend VR-Bank-Vorstand Thomas Völker zu Ulrich Wickert. Wer weiß, was noch aus ihm werde – vielleicht sei das Forum ja eine Art Sprungbrett...

Karriere hat der 69-jährige Wickert jedoch schon gemacht, erst als Journalist und auch als Buchautor. Mit seinen pointierten, dabei weltmännisch-lässigen Tagesthemen-Moderationen und der Formel „einen angenehmen Abend und eine geruhsame Nacht“ erlangte er Kultstatus, seine Bücher wurden Bestseller.

Seit geraumer Zeit macht Wickert auch Werbung: für die genossenschaftliche Idee und die Genossenschaftsbanken. Sein Auftritt beim Mitgliederforum der VR-Bank Chattengau fällt zudem ins „Internationale Jahr der Genossenschaft“, zu dem die Vereinten Nationen 2012 ausgerufen haben.

Doch Wickert streifte die Genossen nur am Rande, sein Hauptaugenmerk in dem mit launigen Episoden aufgelockerten Vortrag galt dem Thema Wirtschaft und Moral. Laut Satiriker Karl Kraus dürfe es das Fach „Wirtschaftsethik“ nicht geben, weil man entweder Wirtschaft oder Ethik studieren könne – beides gehe nicht zusammen.

Wickert ist anderer Meinung. Er forderte, dass in Deutschland die Wirtschaftsstudenten als Pflichtfach Ethik belegen müssten. Bisher würden sie nichts darüber lernen: „Kein Wunder, dass sie später im Berufsleben nichts davon verstehen!“ Dabei funktioniere die Gesellschaft nur dank des Regelwerks der Moral.

Die Begrenzung der Freiheit durch verantwortliches Handeln sei vor allem in der Wirtschaft wichtig. „Es ist fatal, wenn die Politik dem Glauben an eine Freiheit als völliger ethischer Ungebundenheit folgt“, warnte Wickert.

Scharf kritisierte er die Finanzwelt, die sich nicht an die Regeln halte. Dort gebe es zu wenige Verbote, zu wenige Strafen. Es sei richtig, das zu verbieten, was anderen schadet. Zwar widersprächen sich Profit und Moral nicht grundsätzlich, aber es sei für Unternehmen wichtig, Verantwortung für Mitarbeiter und die Gemeinschaft zu übernehmen.

Es gibt laut Wickert zwar das Recht auf Individualität, aber auch die Verantwortung jedes Einzelnen für die Gesellschaft. Das werde häufig vergessen. Jeder Verbraucher könne handeln und damit etwas bewirken, zum Beispiel „ethisch einkaufen“.

Beim gerechten Lohn hielt er es mit dem Ökonomen Adam Smith: Man sollte davon seine Familie ernähren können. „Der Mindestlohn muss her“, forderte er unter dem Beifall der Gäste. Wie beliebt der Journalist immer noch ist, zeigte die Signierstunde im Anschluss an den Vortrag.

Von Ulrike Lange-Michael

Quelle: HNA

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