300 Euro Geldstrafe für Flucht

Häftling trickste Bewacher während Besuch bei der Mutter aus - Mildes Urteil

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Ende der Flucht: Weil er bei einem Fluchtversuch zwei Beamte der JVA Schwalmstadt eingesperrt hatte, muss ich ein Häftling wegen Freiheitsberaubung vor Gericht verantworten. Er war in einem Dorf in der Rhön wieder gefasst worden.

Schwalmstadt/Fulda. Zu 300 Euro Geldstraße wurde am Donnerstag ein Häftling der Justizvollzugsanstalt Schwalmstadt verurteilt, der im Januar 2011 den Freigang zu seiner Mutter zur Flucht nutzte. Die beiden Bewacher hätten wachsamer sein müssen, so begründete der Richter sein mildes Urteil.

Der Häftling, der seine 88-jährige Mutter in Fulda besuchte, sperrte zwei Justizbeamte in die Wohnung seiner Mutter ein und floh, wurde aber bereits am nächsten Tag in der Kirche von Nüsttal-Hofaschenbach im Kreis Fulda wieder festgenommen.

Wegen Freiheitsberaubung musste sich der 55-jähriger Häftling der JVA Schwalmstadt vor dem Amtsgericht Fulda verantworten. Unter dem Vorwand, die Toilette benutzen zu wollen, hatte er die Wohnung unbemerkt verlassen. Die Tür schloss er von außen ab und ließ den Schlüssel stecken. Erst nach zehn Minuten konnte die Hausmeisterin die eingeschlossenen Beamten befreien, so die Anklage.

Der Angeklagte sagte vor Gericht, dass er den Schlüssel vor den Augen der Beamten an sich genommen habe. Die beiden Beamten beteuerten, keinen Schlüssel gesehen und auch keine Fluchtgefahr erkannt zu haben, da die Wohnung im neunten Stock liege. So habe der eine auf dem Balkon geraucht, während sich der andere mit der Mutter unterhielt. Die Flucht sei nicht geplant, sondern spontan gewesen, sagte der Richter. Der Häftling hatte den Schlüssel zufällig in einer Schublade entdeckt und eingesteckt. Trotz seiner Fesseln war er 17 Kilometer bis zur Kirche in Nüsttal-Hofaschenbach gelaufen. Dort identifizierte eine Kirchen-Mitarbeiterin den Entflohenen und alarmierte die Polizei.

In der JVA Schwalmstadt saß der Mann ein, nachdem er wegen versuchten Totschlags an seiner Ehefrau im Dezember 2007 vom Landgericht Fulda zu acht Jahren Gefängnis verurteilt worden war.

Der Häftling wurde nach Kassel verlegt. Gegen die Beamten verhängte das Justizministerium Geldstrafen und Beförderungssperren. (alx)

Quelle: HNA

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