Norbert Walter bringt Homberger Unternehmer zum Raunen

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Gespannt: Die Teilnehmer des neunten Unternehmertages lauschten in der Homberger Stadthalle gespannt dem Beitrag von Prof. Dr. Norbert Walter, ehemaliger Chefökonom der Deutschen Bank.

Homberg. Da staunten die Unternehmer aus dem Schwalm-Eder-Kreis nicht schlecht: Nur 20 Tage Jahresurlaub für Mitarbeiter und eine Renteneintrittszeit, die über das 67. Lebensjahr hinaus geht, das so Prof. Dr. Norbert Walter, ehemaliger Chefökonom der Deutschen Bank, könnte zu „einem enormen Schub in Deutschland führen“.

Kaum hatte er das beim neunten Unternehmertag in der Homberger Stadthalle ausgesprochen, ging ein Raunen durch die gut gefüllten Reihen.

Im Gespräch: Heinrich Gringel, Landrat Frank-Martin Neupärtel, Prof. Dr. Norbert Walter, Christine Kühlborn, Dr. Heinz-Walter Große und Thomas Kreutzmann während des Unternehmertages.

„Wenn ich das vorschlagen würde, bin ich die längste Zeit Arbeisdirektor gewesen“, sagte Dr. Heinz-Walter Große, Vorstandsvorsitzender von B. Braun Melsungen, mit einem Augenzwinkern. Doch auch wenn er und Walter bei diesem Punkt keinen gemeinsamen Nenner fanden, so waren sich die Teilnehmer der Diskussionsrunde einig, dass der Wirtschaft in Deutschland vor allem durch mangelnde Ausbildung von Kindern und Jugendlichen viel Potential durch die Lappen gehe. „Es ist eine Katastrophe, dass es noch keine obligatorische Vorschule gibt“, sagte Walter und betonte, dass es die nicht nur für Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund geben müsse. „Der Bildungsbereich macht uns große Sorgen“, sagte auch Heinrich Gringel, Präsident der Handwerkskammer Kassel. „Wir brauchen gute Hauptschüler und wollen eine Vorschule“, sagte er und fügte an. Da es an der Unterstützung der Politik mangele, wollen sich Handwerk und Industrie jetzt selbst helfen.

Zuvor hatte Walter einen ebenso provokativen wie spannenden Vortrag über die Situation auf dem Finanzmarkt gehalten. „Es gab selten eine Zeit, in der so wenig Steine aufeinander gepasst haben, wie jetzt. Es ist eine explosive Gemängelage“, sagte Walter.

Vor allem die Staatsverschuldung sei ein Sprengsatz für Europa und für den Europäischen Binnenmarkt. Dabei seien die Industrieländer das Problem. „Die alte Welt hat Schulden. Die Schwellen- und Entwicklungsländer sind nicht das Problem.“ Doch sei nicht der Euro, sondern die Politik in der Krise, sagte Walter und hatte dafür gleich mehrere Beispiele parat.

Von einer drohenden Krise spüren Heinrich Gringel, Dr. Heinz-Walter Große und Christiane Kühlborn von Kühlborn-Fahrzeuge in Guxhagen, jedoch noch nichts. Danach, wie es um ihre Branche stehe, fragte sie Moderator Thomas Kreutzmann vom Hessischen Rundfunk. „Das Konsumverhalten ist sehr, sehr positiv“, sagte Kühlborn. B. Braun Melsungen sei von der Finanzmarktkrise 2008 überhaupt nicht betroffen gewesen, sagt Dr. Große. „Weil wir auf allen Märkten der Welt tätig sind.“ Auch das Handwerk sei von der Krise nicht geschüttelt worden, sagte Gringel. Und auch im Einzelhandel laufe es gut. Nach ersten Auswertungen stiegen die Umsätze real um fast zwei Prozent. Sowohl in der Baubranche, im Elekto- und Metallbereich sei die Stimmung mehr als positiv.

Quelle: HNA

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