Existenzgründer: Immer mehr wollen ihr eigener Chef sein

Schwalm-Eder. Immer mehr Menschen im Landkreis wollen den Schritt in die berufliche Selbstständigkeit wagen. Beim Servicezentrum Schwalm-Eder der Industrie- und Handelskammer haben sich im vergangenen Jahr 143 Personen über eine Existenzgründung beraten lassen.

Das waren 50 Prozent mehr als 2009 - so stark hat das Gründer-Interesse in keinem anderen nordhessischen IHK-Gebiet zugenommen.

Das sei eine Folge der Wirtschafts- und Finanzkrise, meint Carsten Heustock, stellvertretender Geschäftsbereichsleiter bei der IHK in Kassel. Er sagt, im Vorjahr hätten bezirksweit viermal so viele Menschen wie 2009 ein Gewerbe aus der Arbeitslosigkeit heraus angemeldet.

Andreas Fischer, Leiter des IHK-Servicezentrums Schwalm-Eder, hat indessen nicht den Eindruck, dass der Gründungsschritt überwiegend aus der Not heraus gegangen werde: „Wir waren positiv überrascht über die Ideen und die Darstellungsqualität vieler Projekte.“

So habe etwa ein Erfinder eine neuartige Schaufel konstruiert und vertreiben wollen. Andere wollten mit arabischen Partnern einen wasserabweisenden Sand importieren, der im Teichbau, im Hochwasserschutz und als Ölbindemittel verwendet werden kann. Und etliche, so Fischer, wollten per Internet-Einzelhandel eine Geschäftsidee aufziehen.

Insgesamt seien 2010 deutlich mehr Menschen zur IHK-Beratung nach Homberg gekommen, die den Schritt in die Selbstständigkeit „aus freien Stücken“ und ohne Anspruch auf Förderung durch die Arbeitsagentur hätten gehen wollen, sagt Andreas Fischer.

„Es gibt eine höhere Risikobereitschaft“, meint auch Klaus Wiederhold, Geschäftsstellenleiter der Arbeitsagentur in Melsungen. Die Nachfrage nach Existenzgründungshilfen der Arbeitsverwaltung sei trotz anziehender Konjunktur „ungebrochen hoch“. Im Agenturbezirk Kassel machen sich laut Wiederhold jedes Jahr 800 bis 900 Menschen mit einem Gründungszuschuss selbstständig.

Nach Angaben des IHK-Servicezentrums Schwalm-Eder kamen 2010 besonders viele Gründungsinteressenten aus Felsberg; deren Zahl stieg binnen Jahresfrist von 6 auf 13.

Auch aus Borken, Melsungen, Edermünde, Schwalmstadt und Frielendorf informierten sich mehr Menschen als im Vorjahr über eine Selbstständigkeit. In Gudensberg stagnierte das Interesse, in Homberg und Fritzlar nahm es ab.

Die meisten wollten sich mit Dienstleistungen selbstständig machen, schwerpunktmäßig in den Bereichen Alten- und Kinderpflege, Kosmetik/Wellness sowie im Garten- und Landschaftsbau. (asz)

Quelle: HNA

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