Musiker Carsten Lenz ließ die Kirchenorgel in Borken tanzen

Das Experiment gelang

Ehepaar und Kirchenmusiker: Beim Pipa-Walzer blies Iris Lenz die Vogelpfeife und imitierte Vogelgezwitscher. Das konnte Carsten Lenz mit der Orgel nämlich nicht erzeugen. Foto: Auerbach

Borken. Musik der Kirchenorgel verbindet man meist mit feierlichen Klängen. Wie es tönt, wenn die Orgel beschwingt mit Heiterkeit und Humor daher kommt, erlebten die Zuhörer in der Stadtkirche in Borken.

Carsten Lenz, Kirchenmusiker und Organist, will starre Traditionen öffnen und fließende Bewegung in den Kirchenraum bringen. Deshalb stellte er sein Konzert am Samstagabend unter das Motto „Die Orgel tanzt“. In seinem kurzweiligen Programm spielte er ausschließlich Originalwerke eher unbekannter Komponisten. Dabei schlug er einen Bogen durch tänzerische Melodien aus sechs Jahrhunderten.

Zum Einstieg interpretierte der Musiker den „Tempesta di mare“ (Sturm des Meeres) aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und drei Tanzstücke aus Bernhard Schmids Orgeltabulatur von 1577. Das war gut gewählt, denn mit verschiedenen Klangfarben und kraftvollen sowie sanften Passagen machte Lenz deutlich, was die Noeske-Orgel von 1974 (16 Registern, 1400 Pfeifen) zu leisten vermag.

Es folgten barocke Tänze von Franz Anton Maichelbeck. Allemande, Gavotte und Menuett erklangen mit warmen, transparenten Tönen. Sie versetzten in prunkvolle Bauwerke und ließen höfische Figuren vor dem geistigen Auge lebendig werden. Drei volkstümliche „Toggenburger Hausorgeltänze“ der Schweizerin Elsbeth Forrer aus dem Jahr 1855 spielte Lenz nur auf dem oberen Manual. Die Stücke hörten sich an wie auf einer Jahrmarktsorgel.

Ein herrlicher Kontrast gelang mit dem festlichen, glanzvollen Hochzeitsmarsch von Hannes Meyer. Danach wandte sich Lenz Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts zu.

Es faszinierte, wie Lenz aus der Königin der Instrumente die Klangvielfalt und den Rhythmus von Jazz, Blues, Boogie-Woogie, Tango, Samba und Swing herauszauberte.

Effekte, wie Triangelspiel, Vogelgezwitscher und Beckenschlagen sind mit der Orgel in Borken nicht möglich. Ehefrau Iris Lenz erzeugte sie mit Hilfe von kleinen Instrumenten. Mit den neuen Tönen überraschte Carsten Lenz die Zuhörer. Das Experiment „Die Orgel tanzt“ ist gelungen.

Von Michael Auerbach

Quelle: HNA

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