Workshop und Konzert: Jazz-Musiker Thomas Bauser besuchte die Melanchthon-Schule

Experiment am Instrument

Deutsch-schweizer Formation: Gitarrist Franz Hellmüller aus Bern, Schlagzeuger Michael Stulz aus Basel und der Wahl-Freiburger und Organist Thomas Bauser (von links). Foto: Rose

Steinatal. Der Musiksaal der Melanchthon-Schule platzte am Donnerstagabend fast aus den Nähten: Doch die Enge hatte ihr Gutes. Gäste und Musiker kamen sich ganz nah – beim Konzert des „BHS-Organ-Trios“. Zu Gast waren in der Schwalm der Jazzmusiker und Kenner der legendären Hammond-B3-Orgel Thomas Bauser, Jazz-Gitarrist Franz Heumüller und Schlagzeuger Michael Stulz.

Bevor das Trio am Abend in die Tasten, die Saiten und zu den Sticks griff, gaben die drei zuvor einen Schülerworkshop. An der Werkeinführung nahmen junge Leute der Melanchthon-Schule und des Schwalmgymnasiums teil. Finanziert wurde das Projekt vom Kulturnetz der weiterführenden Schulen der Kreissparkasse. Organisiert hatte das Ganze Musiklehrer Stefan Reitz.

Studienfreund Thomas Bauser gastierte schon mehrere Male in der Reihe der Hospitalkonzerte in Treysa. „Und wir werden sicher nicht das letzte Mal hier gespielt haben“, sagte der Musiker. In Bausers Orgeltrio haben sich laut eigener Aussage drei Musiker gefunden, die sich nicht nur musikalisch lieben, sondern gleichzeitig drei Enthusiasten, die kompromisslos ihren eigenen musikalischen Weg einschlagen – mit hohem Respekt vor der großartigen Tradition des „Orgeljazz“.

Sich auf Musik einlassen

„Jazz ist zum Allerweltsbegriff geworden. Es ist schwer einzuschätzen, was Jazz eigentlich ist“, erklärte Reitz. Doch er versprach: „Am Ende des Abend werden Sie zumindest eine Ahnung davon haben.“ Das Trio machte sich sogleich daran, das Versprechen einzulösen. Reitz Empfehlung: „Dazu müssen wir unsere Sprache verlassen und uns ganz auf die Sprache der Musik einlassen.“

Sich einzulassen galt es in erster Linie auf die Hammond-B3-Orgel, die fast schon als historisch bezeichnet werden darf. „1970 wurde die letzte Orgel gebaut“, erklärte Reitz. Besonders spannend sei hierbei die Tonerzeugung. „Die Orgel hat knapp 100 Rädchen, das System funktioniert ähnlich wie ein Dynamo, also elektromagnetisch.“ Dabei klang das, was das deutsch-schweizer Trio mit den Instrumenten vollführte, alles andere als historisch: Frisch, modern, mit experimenteller, aber eingängiger Tonsprache drückten die Musiker dem Orgeljazz ihren individuellen Stempel auf. Nachdenkliche Klänge mischten sie mit gewagten, vorantreibenden Grooves: Bausers Komposition „Dreamsland“ verströmte Leichtigkeit, Hellmüllers „Goldener Oktober“ ließ Raum für Interpretationen. Das begeisterte Publikum erklatschte sich eine Zugabe und die Gewissheit, knapp zwei Stunden aus dem Schwälmer Alltag entführt worden zu sein.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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