Fünf Jahre Hospitalkonzerte: Das A-Capella-Quartett Klangbezirk begeisterte

Exzellent und extravagant

Außergewöhnliches Gesangsensemble: Juan Garcia, Kathrin Scheer, Tanja Pannier und Matthias Knoche (von links) verzauberten am Samstag das Publikum in der Hospitalskapelle. Foto:  Rose

Treysa. Es war eine wohlige Wärme, die sich am Samstagabend wie der zarte Schmelz einer guten Schokolade auch im Geiste der Gäste ausgebreitet haben dürfte: Kein Wunder, stand doch das finale Hospitalkonzert unter dem treffenden Stichwort „Winterkuscheldeckensongs“. Zu hören gab es feinsten A-Capella-Gesang mit dem Quartett Klangbezirk aus Berlin. Mit der Combo setzten Organisator Stefan Reitz und sein Team einen fulminanten Akzent hinter fünf Jahre Hospitalkonzerte – die Reihe wird im kommenden Jahr unter dem Motto „Neues in alten Räumen“ fortgesetzt.

Ungewohntes und Extravagantes erlebten die Besucher diesmal mit Klangbezirk – das sind Tanja Pannier, Kathrin Scheer, Juan Garcia und Matthias Knoche. Die Vier zählen mit ihren stimmlichen Qualitäten und erstklassigen Arrangements zu den außergewöhnlichsten Gesangsensembles Deutschlands, versprach Reitz. Und tatsächlich: Was es in die Ohren gab, bewegte sich fernab gängiger Klangideale. Klassische Stücke, moderne Weisen, aber auch Popsongs mischte das Quartett in skurrilen und berührenden Arrangements. Die Mischung mutete bizarr an: Jazzstandards, Gospel, Klassik, Wintersongs, Lieder von einem 2008 aufgenommenen chinesischen Album – in der Sprache Mandarin – und Titel vom aktuellen Woodstock-Album. Alle vier Sänger zeichnete dabei ihr außerordentliches Gespür für Musikalität aus. Mit Raffinesse und Können inszenierten sich die Künstler derart unaufgeregt, dass es eine Wohltat war, ihnen zuzuhören. Charmant, frisch und ungekünstelt lenkten sie durch den Abend. Die zauberhaften Arrangements bestachen durch absolute Detailverliebtheit und Freude an der Improvisation. „Wie starten ganz gemächlich mit Jazz und transformieren den dann in die Weihnachtszeit“, versprach Juan Garcia. Kein Klangexeriment erschien dem Quartett zu schräg, keine Takthürde zu hoch.

Spagat gelang brilliant

Ein Klassiker von „The Who“ mixten sie mit einem Titel des Jazz-Trompeters Miles Davis, um ohne mit den Stimmen zu zucken eine Interpretation von „Leise rieselt der Schnee“ zu singen. Den Spagat zwischen Klassik und Kommerz beherrschten die Vier brilliant. Höhepunkte waren ein Arrangement von „Es kommt ein Schiff geladen“, die Interpretation von Bachs Kirchenkantate „Gloria in excelsis Deo“, aber auch „Händel im Jazz-Gewand“. Die Musik umschloss die Gäste wie eine wärmende Decke: Mit einem Christmas Carol, einem Beatles-Song und einem Wiegenlied verabschiedeten sich die Vier vom restlos begeisterten Publikum. Als Zugabe zeigte das Quartett auf Zuruf sein unglaubliches Improvisationstalent. Und nicht nur Stefan Reitz wünschte sich: „Bitte kommt wieder.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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