Dr. Fabio Longo, unterlegener SPD-Bürgermeisterkandidat, zieht Bilanz

Am Wahlabend: Dr. Fabio Longo und seine Lebensgefährtin Dorothee Bertenhoff.

Schwalmstadt. Eine Woche nach der Bürgermeisterstichwahl dominieren in Schwalmstadt nicht mehr die Wahlplakate das Stadtbild. Für den unterlegenen SPD-Kandidaten Fabio Longo sind es Tage des Abschieds - bei der Salatkirmes in Ziegenhain, in den Straßen von Treysa, bei der Fahrt durch die Schwalmstädter Dörfer.

Eine Wahl hat er verloren, aber Freunde gewonnen, ist der 36-Jährige überzeugt. Erschöpfung, auch Zeichen der gewichenen Anspannung, liegen über Longos Gesichtszügen beim HNA-Redaktionsgespräch. Knapp ein Jahr hat er sich mit dem Gedanken beschäftigt, ein Schwalmstädter zu werden, über mehr als neun Monate sind ihm die Menschen ans Herz gewachsen. An mehr als 2500 Haustüren hat er geklingelt, viele Begegnungen sind intensiv gewesen.

Man mache immer Fehler, er sei sich allerdings keines größeren bewusst, zieht der promovierte Rechtsanwalt Bilanz. Die tiefe Unzufriedenheit der Schwalmstädter, auch im Zusammenhang mit dem Projekt Wieragrund, habe sich im ersten Wahlergebnis ausgedrückt. Registriert werden müsse die große Zahl der Nichtwähler, insbesondere in Ziegenhain. Anscheinend fühlen sich dort „viele in Schwalmstadt nicht zu Hause“. Die Gesellschaft in der Stadt werde sich umso mehr anstrengen müssen, die tiefen Gräben zu überwinden. Angesichts der Unzufriedenheit der Schwalmstädter über die herrschende Mehrheit ist Longo mit seinem „ordentlichen Ergebnis zufrieden“.

Raunen in der Stadt

Dennoch schwingt Bitterkeit mit, wenn der 36-Jährige von einem „unschönen Wahlkampf“ spricht. Zwar fühle er sich nicht schlecht, „aber enttäuscht“. Doch während durch Schwalmstadt ein Raunen geht, in den Straßen der Stadt Worte wie Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit fallen, will der gebürtige Nordhesse mit italienischen Wurzeln diese Begriffe nicht in den Mund nehmen. Es habe entsprechende Erlebnisse gegeben, bestätigt er, und einige müssten in Zukunft noch geklärt werden. Von der großen Mehrzahl der Menschen hier fühle er sich allerdings sehr gut aufgenommen. „Schwalmstadt liegt immer noch in meiner Heimatregion, auch wenn manche das anders intonieren wollten.“

Verstärkt will Longo sich jetzt wieder seinem Rechtsanwaltsberuf in einer Kanzlei in Wetzlar widmen. Auch in Marburg, seinem ersten Wohnsitz, gilt es, alte Kontakte wieder neu zu knüpfen. Seine Lebensgefährtin und er selbst hätten in Schwalmstadt inzwischen mehr Freunde als dort, sagt er. Seine politische Zukunft? Erstmal gibt es noch keine Pläne. Das Thema Rathauschef ist allerdings vom Tisch: „Bürgermeister wollte ich nur in Schwalmstadt sein.“

Von Sylke Grede

Quelle: HNA

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