Interview mit ehemaligem Absolventen

Fach Wirtschaftsinformatik: Radko-Stöckl-Schule fehlen Schüler

Melsungen. Jedes Jahr steht die Melsunger Radko-Stöckl-Schule erneut vor der Frage: Kommen genug Schüler für eine Wirtschaftsinformatik-Klasse zusammen? Darüber sprachen wir mit Patrick Mell, der 2010 an der Radko-Stöckl-Schule seinen Abschluss in Wirtschaftsinformatik gemacht hat.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Abschluss in Wirtschaftsinformatik zu machen?

Patrick Mell: Ich habe die Radko-Stöckl-Schule beim Tag der offenen Tür kennengelernt und beim Programmierunterricht zugeschaut. Ich fand das ziemlich interessant und habe es dann zuhause selbst ausprobiert. Das hat Spaß gemacht, und so bin ich auf die Idee gekommen.

Nach dem Schulabschluss haben Sie erst eine Ausbildung zum Fachinformatiker gemacht. Hat Sie Ihr Schulabschluss darauf gut vorbereitet?

Mell: Für die Ausbildung im Unternehmen war der Abschluss in Wirtschaftsinformatik auf jeden Fall eine gute Vorbereitung, weil er viel fachspezifischer ist als zum Beispiel das Abitur.

Jetzt studieren Sie Informatik profitieren Sie immer noch von Ihrem Abschluss?

Mell: Was im Studium gefordert wird, kann man mit der Schule natürlich nicht vergleichen. Am Anfang hat mir mein Abschluss aber schon geholfen, weil ich zum Beispiel beim Programmieren Vorkenntnisse hatte.

Sie haben 2008 an der Radko-Stöckl-Schule angefangen waren die Klassen da auch schon so klein wie heute?

Mell: Ja, und das fand ich gut. Von kleinen Klassen kann man ja schließlich als Schüler auch profitieren.

So schön die kleinen Klassen sind - es ist aber schwierig, überhaupt genug Schüler für dieses Fach zusammenzubekommen...

Mell: Das ist ein Teufelskreis: Weil es nur wenige Schüler gibt, die das Fach Wirtschaftsinformatik wählen, gibt es auch nur wenige, die über ihre Erfahrungen berichten können. Die meisten Jugendlichen kennen jemanden, der Sozialwesen oder Wirtschaft belegt hat. In Wirtschaftsinformatik haben sie keine Vorstellung, was auf sie zukommt und wählen deshalb lieber die anderen Fächer.

Ist das aus Ihrer Sicht der einzige Grund für die geringe Nachfrage?

Mell: Generell glaube ich, dass das Thema Computer während der Schulzeit zu wenig behandelt wird und die Jugendlichen dazu keinen Zugang bekommen. Bei uns in der Realschule zum Beispiel haben wir gelernt, wie man eine Power-Point-Präsentation erstellt aber viel tiefer ging das nicht.

Die meisten Jugendlichen sitzen aber doch in ihrer Freizeit täglich viele Stunden am Computer. Müsste Informatik da nicht ein total spannendes Fach sein?

Mell: Viele denken, wenn sie Informatik hören, gleich an das Klischee des Nerds. Dieses Klischee stimmt aber nicht: Ich habe an der Radko-Stöckl-Schule nur Leute getroffen, mit denen ich mich identifizieren konnte, die waren nicht sonderbar.

Hintergrund: Noch Plätze frei

"Für eine Wirtschaftsinformatik-Klasse brauchen wir im Idealfall 15 Schüler“, sagt Jens Obach, Leiter der Abteilung Handel und Logistik an der Radko-Stöckl-Schule. „Meistens bekommen wir aber nur 10 bis 13 Anmeldungen.“ Warum die Nachfrage so gering ist, könne er sich nicht erklären. „Wir sind eine der wenigen Schulen in der Region, die dieses Fach anbietet“, sagt er. Und die Berufsaussichten für Absolventen seien gut, schließlich klage die IT-Branche über einen Fachkräftemangel.

Die Unterrichtsinhalte reichen von kreativem Webdesign über Programmieren lernen mit Lego-Robotern und Datenbankdesign bis hin zu klassischer Betriebswirtschaftslehre mit Beschaffung, Produktion und Personal.

Auch für das kommende Schuljahr, das nach den Sommerferien beginnt, gibt es noch freie Plätze im Fach Wirtschaftsinformatik. Der Einstieg ist in Klasse 11 und verkürzt in Klasse 12 möglich.

• Weitere Informationen gibt es unter Tel. 05661/92500 sowie im Internet auf www.radko-stoeckl-schule.de unter dem Bereich Bildung und Erziehung/Fachoberschule.

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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