Fachtagung zu historischen Funden in der Stadtkirche

Geschichte muss nicht neu geschrieben werden

Wolfhagen. Muss die Geschichte der Stadt Wolfhagen, die 1231 die Stadtrechte verliehen bekam, als auch die der Stadtkirche, die vier Jahre (1235) später geweiht wurde, neu geschrieben werden? Dieser Frage versuchten renommierte Experten während einer Fachtagung auf den Grund zu gehen.

Darunter vor allem Historiker und Archäologen, die die Bedeutung der archäologischen Befunde in der Stadtkirche für die Territorial- und Kirchengeschichte Nordhessens untersuchten.

Ort des Expertentreffens war passenderweise die Stadtkirche. Dort gab es neue Fragen und erste Antworten, wie es Karl-Heinz Schubert, Kirchenvorsteher der Evangelischen Kirchengemeinde Wolfhagen, formulierte. Die wichtigste Antwort lautet: Die Geschichte der Stadt als auch der Stadtkirche muss nicht neu geschrieben werden.

Die ans Tageslicht beförderten Erkenntnisse der von archäologischen Gutachtern begleiteten Grabungsarbeiten im Kircheninneren als auch im Außenbereich, vor allem der Fund eines Taufbeckens im heutigen Kirchenschiff, ließen zuerst den Schluss zu, dass es dort einen Vorgängerbau zur heutigen Stadtkirche aus dem 13. Jahrhundert gegeben haben muss. Und damit verbunden auch eine größere menschliche Ansiedlung vor dem urkundlich erstmals 1231 erwähnten Wolfhagen.

Karl-Heinz Schubert: „Wenn der Boden sprechen könnte, wären wir um Vieles schlauer. Denn dann könnten wir bis in die kleinste Wurzel unsere Stadt- und Kirchengeschichte wie ein offenes Buch aufschlagen. So aber sind wir bei unserer Suche und der Findung zwischen dem realen und virtuellen historischen als auch archäologischen Spektrum weiterhin auf Vermutungen angewiesen.“

Doch die Fakten, die Kirchenhistoriker Professor Dr. Hans Schneider (Marburg) vor allem mit der Urkunde der Altarweihe der Wolfhager Kirche am 28. August 1235 als Tochter- der Mutterkirche auf dem Schützenberg präsentierte, sprechen eine klare Sprache. Die Grabungserkenntnisse, da waren sich unter Berücksichtigung eines historischen Überblicks der Region die Archäologen Dr. Jürgen Kneipp (Züschen), Professor Dr. Hans Rudolf Sennhauser (Schweiz) sowie M.A. (Magister Artium) Norbert Gebauer (Bischoffen) einig, zeigen, dass die Befunde im Kircheninneren durchaus von der 1235 geweihten Stadtkirche stammen könnten.

Das am Ende gezogene Fazit aller Experten stützte sich dann auch darauf, dass sich sowohl die vorhandenen geschichtlichen Fakten, als auch die Grabungsergebnisse im Kircheninneren fast nahtlos ineinander fügen. Ein Fragezeichen muss lediglich hinter die im Außenbereich freigelegten Mauern gesetzt werden. Die könnten auch von einem einst profanen Bau stammen. Zur Lösung dieser Frage wären jedoch weitere archäologische Untersuchungen notwendig. (zih)

Quelle: HNA

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