Quasi auf Abschiedstournee

Färber geht nach 18 Jahren als Bürgermeister in den Ruhestand

Edermünde. Sein Bart ist so prägnant wie seine große Gestalt und sein breites Lächeln. Das trägt er in diesen Tagen besonders gern im Gesicht, denn er ist quasi auf Abschiedstournee. Der 62-jährige Karl-Heinz Färber wird am 30. Juni seinen letzten Arbeitstag als Bürgermeister von Edermünde haben.

"Mir geht's wirklich gut, ich habe ein gutes Gefühl", sagt er - und grinst. Beklemmungen wegen des bevorstehenden Ruhestandes, Angst vor dem Loch, der Bedeutungslosigkeit nach 18 Jahren an der Spitze seiner Gemeinde? Kennt er nicht, sagt er mit Überzeugung.

"Ich habe mich schon vor längerem dafür entschieden, rechtzeitig aufzuhören", sagt er. Und das sei jetzt der richtige Zeitpunkt, im 63. Lebensjahr. Mit 67 oder 68 noch Bürgermeister, das müsse nicht sein. Denn eine Teilzeitstelle gebe es in diesem Beruf nicht.

Dass Bürgermeister heute ein Beruf ist, für den man offenbar keine qualifizierende Ausbildung benötige, den jeder machen könne, findet Färber nicht so gut, ja eigentlich sogar putzig. Für ihn war es immer ein großer Vorteil, dass er Verwaltungsfachmann ist. "Man weiß dann, wovon man redet", sagt er. Gerade auch mit den Mitarbeitern im Rathaus.

Gute Kenntnisse der Gemeinde, der Verwaltung, der Menschen und ihrer Erwartungen, einen Riecher für Entwicklungsmöglichkeiten, Mut zu eigenen Ideen, Führungs- und Managerqualitäten: All das sollte nach Färbers Meinung ein Bürgermeister haben, um erfolgreich arbeiten zu können.

Ihm sei das in Edermünde doch recht leicht gemacht worden, gibt er zu: Die Gemeinde ist kompakt mit nur vier Ortsteilen, liegt im Speckgürtel Kassels, profitiert von der guten Lage, wirtschaftlich wie geografisch.

"Wir stehen in Edermünde gut da", heißt denn auch sein Fazit. Zu verdanken sei das auch der klaren Mehrheit im Gemeindeparlament. Die hinter sich zu wissen, sei schon wichtig für den Bürgermeister. Manchmal habe er sich jedoch gewünscht, dass er besser mit einigen Gruppierungen ausgekommen wäre. Das sei nicht leichter geworden in den Jahren.

Zufrieden ist Färber, dass das Ortsteildenken der Vergangenheit angehöre. "Die Menschen in Edermünde können miteinander", sagt er. Damit das klappt, gibt es auch viele ortsübergreifende Angebote, etwa im Seniorenbereich.

Was bleibt zu tun für seinen Nachfolger? Im gesellschaftspolitischen und wirtschaftlichen Bereich sieht Färber Aufgabenbereiche, die man aufgreifen könne. Kindergärten und Grundschulen etwa gehören seiner Meinung nach in kommunale Hand.

Und weitere Gewerbeansiedlungen wären wichtig: "Neue Arbeitsplätze zu schaffen ist das A und O", sagt er. Nicht alle Probleme konnte er indes lösen. So wird das Verkehrsproblem durch Grifte bleiben - aber man habe es im Griff, sagt er. Getroffen habe ihn die Absage des Spediteurs Nagel, der seinen Firmensitz nach Edermünde verlegen wollte, dann aber wegen einiger kritischer Stimmen zurückgezogen habe. Und der Wasser-Streit in Besse: "Da hat man mir vorgeworfen, wie ich als Besser Junge das Wasser verkaufen könnte", sagt er und grinst. Ist alles ausgestanden.

Für die nächsten Monate wird sich Karl-Heinz Färber zurückziehen, die freie Zeit mit Ehefrau Brigitte genießen, Reisen unternehmen. Und Fahrrad fahren. "Wir wollen aktiv sein", sagt er.

Und dann? Klar, sich auch ehrenamtlich engagieren. Aber jetzt wird erst einmal selbst bestimmt, was zu tun ist. Oder auch nicht.

Von Ulrike Lange-Michael

Quelle: HNA

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