Der Wolfhager Dirk Tönges stieg vor Jahren vom Sattel auf den Kutschbock um

Fahrerglück mal zwei

Was für ein Anblick: Wenn Dirk Tönges zweispännig durchs Gelände kreuzt - hier mit den beiden Friesenstuten Isabé und Frieda F. vor einem historischen Jagdwagen - ist ihm die Bewunderung von Spaziergängern sicher.

Wolfhagen. Das zufriedene Schnauben eines Pferdes bei der Arbeit klingt in den Ohren eines Reiters wie Musik. Der Pferdefreund weiß: Mein vierbeiniger Partner ist gelöst, er fühlt sich wohl. Und weil gute Laune bekanntlich ansteckt, entspannt auch der Mensch gleich noch mal so gut. Dirk Tönges kommt regelmäßig doppelt in diesen Genuss. Der Wolfhager ist vor vielen Jahren vom Sattel auf den Kutschbock umgestiegen und fährt seitdem leidenschaftlich gerne Zweispänner.

Mit gleich zwei Pferden unterwegs zu sein in der freien Natur, dieses Vergnügen teilen mit dem 46-Jährigen nur noch wenige Gleichgesinnte im Wolfhager Land.

Zwei Pferde im Zaum zu halten, das kostet Kraft. Was man Tönges nicht ansieht, wenn er Leinen und Bogenpeitsche elegant in Händen hält. Denn der ehemalige Reiter, der von Kindesbeinen an mit Pferden zu tun hatte, ließ sich vor gut zehn Jahren bei Lehrgängen in der Heide eigens fürs Fahren ausbilden und absolvierte zwei Prüfungen. Die Teilnahme an Fahrturnieren kommt dem dreifachen Vater, Beruf Küchenchef, dennoch nicht in den Sinn. Für ihn bleiben die Touren mit Gespann ein reines Freizeitvergnügen.

Wenn Tönges mit zwei PS vor einem eleganten Jagdwagen (Baujahr um 1900) oder einer modernen Wagonette durchs Gelände kreuzt, dann erntet er bewundernde Blicke von Spaziergängern. Erst recht, wenn Isabé und Frieda E. an ihnen vorbeiziehen. Die rabenschwarzen Schönen sind Friesenstuten, zum Verwechseln ähnlich und gleichmäßig in ihrer Bewegung, ein Passgespann nennen die Fachleute ein solches Paar.

Die beiden Stuten, zehn und elf Jahre alt, geben vor dem Wagen ein imposantes Bild ab. Ruhig und ausgeglichen, selbstsicher und verkehrstüchtig: So müssen Kutschpferde sein, sagt Tönges, und genau diese unverzichtbaren Eigenschaften für das Fahren bringen auch Isabé und Frieda E. mit. Überhaupt die Friesen, der Wolfhager kommt ins Schwärmen: „Sie sind etwas ganz Besonderes unter den Pferden.“

Zuhause sind Isabé und Frieda E. mit etlichen anderen Pferden im Wolfhager Granfeld. Von hier starten im Sommer gelegentlich gemeinsame Ausfahrten der wenigen noch aktiven Kutschfahrer aus Naumburg, Ippinghausen und eben vom Granfeld. Die Zweispänner bilden dabei eine kleine, aber feine Minderheit.

Zwei Pferde vor dem Wagen bedeuten nicht nur doppeltes Vergnügen, sondern auch doppelte Arbeit. Pferde putzen, aufschirren und schließlich anspannen, die Vorbereitung kann bis zu zwei Stunden Zeit erfordern.

„Eine Ausfahrt ins Gelände ist besser als ein Kurzurlaub.“

Dirk Tönges

Wenn die Kopfstücke mit Postkandare und Scheuklappen, Brustblatt und Leinen, bei besonderen Anlässen auch noch blütenweiße Bandagen und sogenannte Mützen aufgezogen sind, kann’s endlich losgehen. Der Aufwand lohnt sich. Davon ist Klaus Götte, Eigentümer von Frieda E. und ebenfalls Gespannfahrer, so überzeugt wie Dirk Tönges: „Eine Ausfahrt ins Gelände ist besser als ein Kurzurlaub.“ Und wenn die Pferde dann noch zufrieden schnauben, ist die Erholung vom Alltag perfekt.

Von Dorina Binienda-Beer

Quelle: HNA

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