In dritter Reihe überholt

Verkehrsrowdy mit 215 PS: Fahrverbot und Geldstrafe

Treysa. Wegen grob verkehrswidrigen Verhaltens im Straßenverkehr, musste sich jetzt ein 30-jähriger Mann aus dem südlichen Schwalm-Eder-Kreis vor dem Amtsgericht Treysa verantworten.

In der Anklage wurde dem Unternehmer vorgeworfen, im vergangenen Frühjahr auf der B3 einen Lkw in dritter Reihe überholt und dabei andere Verkehrsteilnehmer gefährdet zu haben.

Mit seinem 215 PS starken Mercedes hatte der Mann zwischen Gilserberg und Lischeid eine aus einem Lastwagen und mindestens vier Autos bestehende Kolonne überholt und sich dabei laut Staatsanwaltschaft an einem im Überholvorgang befindlichen Toyota vorbeigequetscht. Dabei berührten sich die Außenspiegel der beiden Autos, verletzt wurde niemand.

Hupen half nicht

In seiner Aussage stritt der Mann jegliche Schuld ab. Er sei sicher nicht in dritter Spur neben dem Lkw gefahren: „Ich war zu 1000 Prozent nur mit dem Toyota auf einer Spur.“ Nicht er habe sich falsch verhalten, war sich der Angeklagte sicher, sondern die anderen. Er habe lediglich zwei Autos in der Schlange überholen wollen, als plötzlich ein BMW die Lücke dichtgemacht habe, erklärte der 30-Jährige: „Ich habe noch gehupt, dass der Toyota wieder reinfährt.“

Auf die Frage des Richters, warum er überhaupt überholt habe, sagte der Mann: „Die sind ja alle 65 km/h gefahren und ich wollte weiterkommen.“ Angesichts des nur wenige Kilometer entfernt liegenden Fahrtziels konnte der Vorsitzende nur mit dem Kopf schütteln: „Wenn Sie nicht überholt hätten, wären Sie 30 Sekunden später gewesen.“

Zur Aufklärung des Sachverhalts hatte das Gericht fünf Zeugen geladen. Bis auf den Beifahrer des Angeklagten berichteten alle übereinstimmend vom Fehlverhalten des 30-Jährigen und zeigten sich bestürzt von so viel Dreistigkeit.

Der nur mittelbar betroffene Lkw-Fahrer konnte sich an das riskante Fahrmanöver auf der 7,9 Meter breiten Straße erinnern: „Das war schon eine ziemlich eng, eine haarige Geschichte. Da hätte Schlimmeres passieren können.“

Ein direkt hinter dem Toyota fahrender 55-Jähriger hatte den Angeklagten als rücksichtslosen Fahrer in Erinnerung. Der Toyota sei voll im Überholvorgang gewesen, als der Mercedes von hinten angeschossen kam, sagte der Zeuge: „Das war aus meiner Sicht echt ein Blindflug.“

Immer noch verärgert

Dem Toyotafahrer konnte man im Zeugenstand immer noch seine Verärgerung anmerken. Er sei hinter dem Lastwagen rausgefahren und kurz darauf habe es auch schon einen Schlag gegeben. Auf einem Parkplatz habe er den Mercedesfahrer dann zur Rede gestellt, sagte der 44-Jährige: „Ich habe ihn gefragt, ob er uns umbringen will.“

Nach zweistündiger Verhandlung das Urteil: Fünf Monate Fahrverbot und 2700 Euro Strafe. „Drei Zeugenaussagen von Leuten, die sich überhaupt nicht kennen, aber alle das Gleiche sagen. Es gibt keinen Grund, warum die was Falsches sagen sollten“, stellte der Richter fest.

Der Angeklagte sah dies augenscheinlich auch nach der Urteilsverkündung nicht so. Er beharrte auf seiner Version. (zmh)

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion