Vogel jetzt in der Waberner Storchenstation

Falke von Mast gerettet: Vogel hatte sich in Band verfangen

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Hält den Turmfalken– verheddert mit Pressband – in der Hand: Ein Mitarbeiter von EQOS. 

Allendorf. Ein hilfloser Turmfalke ist am Wochenende von einem Strommast bei Allendorf gerettet worden. Der Vogel hatte sich neben einem Nest in Pressband verfangen.

Mit einem Fernglas blickt Teresa Diernhofer auf einen Strommast, der im Feld bei Allendorf steht. Auf der obersten Querstrebe fällt ihr ein Nest auf. Daneben ein hilfloser Turmfalke, der sich in blauem Pressband verfangen hat. Der Vogel bewegt sich nicht, ist aber zu hören. „Da stimmt etwas nicht“, sagt sie.

Diernhofer, Mitarbeiterin der Firma Ökon, ist als ökologische Baubegleitung für Baumaßnahmen an der Leitung zwischen Borken und Gießen von dem Stromversorger Tennet beauftragt und war mit Ulrich Dechert von Tennet unterwegs, um die Masten auf Vogelbrut zu untersuchen.

Als sie den Falken entdeckten, überlegten sie nicht lange: Dechert rief die österreichische Firma EQOS Energie an, die in der Nähe arbeitete. Prompt schickten sie einen Mitarbeiter, der befugt war, auf den Mast zu steigen, um dem Vogel zu helfen. „Es hat keine 15 Minuten gedauert, da war der Mitarbeiter mit der Falke auf dem Boden“, erzählt Diernhofer. Der Mann war mit einem Rucksack auf dem Rücken auf den Mast gestiegen – unterwegs nach unten fand der Vogel dort seinen Platz.

Jetzt befindet sich das Tier in der Waberner Storchenstation, in der Obhut von Andrea Krüger-Wiegand. Sie kümmert sich um den Falken, bis er wieder fit ist. „Die Greifreflexe sind nur noch schwach vorhanden“, berichtet die Expertin. Falken ernähren sich hauptsächlich von Mäusen. Um diese fangen zu können, müssen sie beide Füße benutzen und greifen können.

„Der Turmfalke muss länger in diesem Knäuel festgehangen haben, der war richtig fest um die Zehen gewickelt.“ Eine Zehe des Vogels sei deshalb verletzt worden. „Es ist möglich, dass er sie verliert. Wenn es nur eine ist, ist das aber nicht so schlimm.“

Andrea Krüger-Wiegand und Stefan Stübing, Vorsitzender Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz, gehen davon aus, dass der Falke Nistmaterial gesucht und sich dabei in dem blauen Pressband verheddert hat. „Leider nehmen die Vögel Unrat auf, das ist ganz gefährlich“, sagt Krüger-Wiegand.

Inzwischen ist auch klar, dass es sich bei dem Tier um ein weibliches Alttier handelt. Vermutlich wurde sie auf dem Mast von einem Männchen gefüttert. „Sie war gut ernährt. Irgendwann hätte das Männchen aber aufgegeben und sie wäre verendet.“ Um den Vogel wieder aufzupäppeln, macht Krüger-Wiegand eine Physiotherapie mit ihr. „Das Bein wird in einem warmen Bewegungsbad trainiert.“ In etwa einer Woche werden die Greifreflexe wieder vollständig hergestellt sein, dann bringt die Vogelexpertin das Tier in die Natur. „Vögel fliegen automatisch an ihren Platz zurück.“ Eventuell findet das Weibchen wieder mit ihrem Männchen zusammen. 

Quelle: HNA

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