Ein Fall für die Geschichte

Nur noch eine Ruine: In dieser Woche wurde mit dem Abriss des Wohnhauses der Hillemühle begonnen. Es stand nicht unter Denkmalschutz. 1920 war es abgebrannt und nach altem Vorbild wieder aufgebaut worden. Das Fachwerkgebäude war als einziges des Gesamtkomplexes noch erhalten. Nun soll dort ein neues Bürogebäude und eine Brückenwaage gebaut werden. Foto: Rohde

Obervorschütz. Vielen Obervorschützern blutet das Herz angesichts der Arbeiten an der Hillemühle. Dort begannen Anfang der Woche der Abriss des Fachwerkwohnhauses - dem letzten Rest des einst so stattlichen, historischen Gebäudekomplexes.

Anstelle des Hauses, das nicht unter Denkmalschutz steht, will der Landhandel Weiterer ein neues, zweckmäßiges Bürogebäude mit Sozialräumen sowie eine neue Brückenwaage bauen.

Schon Ende Juni solle alles fertig sein, kündigte Stephan Weiterer, einer von drei Geschäftsführern der „Weiterer Landhandel GmbH“ an. Das Unternehmen mit Sitz in Algermissen (Landkreis Hildesheim) hatte die Hillemühle 2008 vom früheren Eigentümer Günther Meckbach übernommen.

„Ich bin schockiert, dass so ein schönes Haus abgerissen wird.“

Dessen Schwester, Gisela Meckbach, die in Kassel lebt, blutet das Herz angesicht der Entwicklung. „Ich bin schockiert, dass so ein schönes Haus abgerissen wird“, sagte sie gegenüber der HNA. Leider gehe es wohl nur um wirtschaftliche Aspekte, so die 62-Jährige. Die Entscheidung, das Haus abzureißen, habe man nicht leichten Herzens getroffen, sagt hingegen Stephan Weiterer. „Wir wollen niemanden kränken oder verletzen. Alles ist mit den Behörden abgestimmt und genehmigt“, fügt er hinzu.

Das Haus sei seit Jahren nicht mehr bewohnt und bis auf die obere Etage auch in schlechtem Zustand gewesen. Mieter habe man allein schon wegen der hohen Energiekosten nicht finden können.

Als Büroräume für den Landhandel sei Gebäude nicht in Frage gekommen, schon wegen der geringen Deckenhöhen, wegen der Problematik der Rettungswege, nicht zeitgemäßer Sanitäranlagen und eben auch wegen der hohen Energiekosten. Gudensbergs Bürgermeister Frank Börner und eine Sprecherin der Baubehörde des Schwalm-Eder-Kreises bestätigten, dass das Fachwerkhaus nicht unter Denkmalschutz stehe und der Abriss genehmigt sei.

Brand 1920

Das Wohnhaus war der letzte Teil der einst stattlichen Hillemühle, deren Ursprünge auf das 16. Jahrhundert zurückgehen. Mehrfach war es in der Geschichte der Mühle zu schweren Bränden gekommen, unter anderem war 1920 auch das Wohnhaus betroffen. Es wurde damals nach altem Vorbild wieder aufgebaut. In unmittelbarer Nachbarschaft stehen aber schon längst Großsilos und andere Funktionsgebäude.

Nun wird ein Bürogebäude mit einer Nutzfläche von 120 Quadratmetern hinzu kommen. Auch die Sozialräume werden dort untergebracht. Wichtig sei jedoch auch die neue Brückenwaage, die deutlich mehr Platz für die heute deutlich größeren landwirtschaftlichen Züge bietet.

Das Unternehmen setzte damit weiter auf den Standort in Obervorschütz, sagte Stephan Weiterer. Zehn fest angestellte Mitarbeiter, ein Auszubildender und vier Aushilfskräfte seien dort beschäftigt.

Von Heinz Rohde

Quelle: HNA

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