Künstlerstipendiat Maciek Rajca stellt in der Kunsthalle Willingshausen aus

Falsch herum denken

War sehr fleißig in Willingshausen: Maciek Rajca stellt derzeit in der Kunsthalle zahlreiche Werke aus. Foto: Rose

Willingshausen. Wer Kultur liebt, fördert sie: Zu lesen ist das auf den Magnetlesezeichen der Sparkassenstiftung, Förderer des Kunststipendiums in Willingshausen. Die Zeichen baumelten am Freitag munter aus den Schuhen des aktuellen Stipendiaten Maciek Rajca.

Der Maler, geboren in Polen, aufgewachsen in Fulda, eröffnete seine Ausstellung in der Kunsthalle des Gerhard-von-Reutern-Hauses. Der Titel: Vince - angelehnt an Vincent van Gogh. Zwar malt Rajca weder wie der Niederländer, noch lässt der Titel irgendwelche Rückschlüsse auf Vorbilder zu, und doch ist der Name der Ausstellung ein liebevolles Bekenntnis. Für Hund Vince. Der war am Abend nicht in der Kunsthalle, dafür aber jede Menge menschliche Gäste. Kurator Bernhard Balkenhol führte in die Ausstellung ein.

„Arbeitsmäßig explodieren hier die Stipendiaten“, sagte Balkenhol. Rajca habe viel, ja sehr viel gemalt. Eine Auswahl hänge jetzt in der Ausstellung. Darin erzähle der Künstler die Geschichte der Malerei: „Die Aufgabe eines Malers besteht darin, die Farbe am Pinsel wieder runter zu kriegen“, sagte Balkenhol. Was der Betrachter unter anderem sehe, seien Farbproben. „Jede Probe hat ihren unterschiedlichen Duktus. Das ist noch keine Kunst. Geht man mit der Probe nett um, wird sie es aber.“

Nur grüne Farbe

Auch die Aufhängung biete eine neue Interpretation. „Wir versuchen einen Sinn zu suchen, weil wir sinnlich wahrnehmen.“ Ein anderes Bild erwecke den Eindruck von Wald: „Dabei war es nur grüne Farbe auf einer Rolle“, verdeutlichte Balkenhol. Es ergebe sich jedoch quasi eine Konstruktion von Wald. Der Betrachter merke also: „Hier stimmt was nicht.“ Im Grunde produziere der Künstler nur solche fehlerhaften Bilder.

Im ersten Augenblick nehme man eine Tapete wahr, doch plötzlich stelle man fest: „Es gibt da gar kein Muster.“ Muster fand Maciek Rajka auch im Baumarkt: Delphin-Schablonen, bunte Perlen, Kordel.

„Die Delphine auf dem Bild haben den Vorteil, dass ihr Zuhause nicht zum Aquarium wird“, erklärte der Kunstexperte. In Anlehnung an Vincent van Gogh entstand ein Blumenmotiv - jedoch eines, dass sich der Künstler aus dem Internet kopierte. „Und daraus mithilfe viel schwarzer Farbe ein radikales Bild entwarf“, sagte Balkenhol.

Dabei zeige Rajca auch, dass er wirklich malen könne: „Ordentlich, regelmäßig, sauber, aber schlecht bezahlt - wie eine Putzfrau“, verdeutlichte Balkenhol. Aber das mache einen Maler aus: falsch herum zu denken.

• Zu sehen ist die Ausstellung in der Kunsthalle Willingshausen noch bis Freitag, 20. Dezember.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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