Circus Gebrüder Köllner/Americano am Wochenende in Treysa

Familie brennt für das Leben in der Manege

Die bald vierfache Mutter in der Manege: Jessica Köllner vom Familienzirkus Gebrüder Köllner / Circus Americano zeigt ihr Tauben-Revue. Foto:  nh/Köppel

Treysa. Drei Kinder haben sie bereits, Jessica und Jürgen Köllners vierter Sohn wird in zwei Wochen erwartet. Das Zirkuspaar reist mit der Familie unter dem Namen Circus Gebrüder Köllner, ehemals Circus Americano, durch Deutschland. In Treysa gastiert der Zirkus von heute bis Sonntag.

Tatkräftig half ein großer Teil der 15-köpfigen Zirkusfamilie mit, das Zelt auf der Wiese In der Aue (BMW Bösser) in Treysa aufzubauen. Die hochschwangere Jessica Köllner hielt sich dabei zurück. Zum zweiten Mal ist der Zirkus in Treysa, damals sei das Publikum toll gewesen, schwärmt die 38-Jährige.

In siebter Generation wird der Familienzirkus aus dem Vogtland geführt, dabei sei die finanzielle Lage gerade in den vergangenen Jahren nicht immer einfach, berichtet die Mutter. „Konkurrenz durch Projektzirkusse, bei denen Kinder das Programm mitgestalten, und auch andere Attraktionen vor Ort machen es uns nicht leicht“, erklärt sie. „Die Menschen teilten sich ihr Geld eben genau ein.“

Rund 40 Jahre lang war der Zirkus unter dem Namen Americano unterwegs, hatte früher mehr Tiere, Artisten und ein größeres Zelt. Durch finanzielle Einschränkungen verkleinerte sich der Familienzirkus zunehmend, nun wird auch der Name persönlicher: Circus Gebrüder Köllner.

Es gebe kaum vorstellungsfreie Zeiten, denn „jeder Tag kostet Geld“, so Jessica Köllner. Platzmiete, Fahrzeuge, Sprit, Tiere, Werbung und Lebenshaltungskosten müssen bezahlt werden. Ein richtiges Winterquartier hätten sie selten, weil sie auch dann mit Sonderprogramm auftreten.

Der Besucherandrang gehe zudem zurück und manche Tierschutzorganisationen würden sich bei den Städten gegen Zirkusse mit Tieren einsetzen, dabei halte ihre Familie die Ponys, Ziegen, Tauben und das Lama ordnungsgemäß.

Trotz der Probleme brennt die Familie für das Leben in der Manege: „Es ist toll zu sehen, wie meine Kinder Spaß haben“, sagte Jessica Köllner. Die Zelte abbrechen und etwas Neues anfangen, funktioniere zudem nicht: Sie hätten nichts anderes als Zirkus gelernt. Die jüngeren Kinder gehen während der meist einwöchigen Aufenthalte an einem Ort in die jeweilige Grundschule, der älteste Sohn lernt über eine Zirkusschule per Computer. Unter anderem in Hessen gibt es spezielle Lehrer, die zwei Mal pro Woche zur Familie fahren. In der knappen Freizeit besuchen sie andere Zirkusse, gehen ins Kino oder schauen sich die Umgebung an. „Meist üben die Jungs aber auch dann weiter, sie sind unermüdlich“, sagte Jessica Köllner. Nach der letzten Vorstellung in Treysa zieht der Zirkus weiter nach Frielendorf.

www.circus-gebrüder-köllner.de

Von Rebecca Rohrbach

Quelle: HNA

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