Ein Leben mit vier leiblichen Kindern und einem Pflegekind

Behütetes Zuhause: Familie Christophel betreut zweijähriges Pflegekind

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Geschützte Umgebung: Das Symbolbild zeigt eine Pflegefamilie mit Kind beim gemeinsamen Spielen. Etwa 15 000 Pflegekinder gibt es derzeit in Deutschland. Gut die Hälfte von ihnen ist unter sechs Jahren.

Wolfhagen. Bei Familie Christophel ist viel los: Sie hat vier leibliche Kinder - und Pflegekind Mia (Name von der Redaktion geändert). Sie hat in ihrem kurzen Leben schon viel Schlimmes erlebt. Ein Besuch bei ihrer Pflegefamilie.

Kurz nach dem Mittagsschlaf ist die Zweijährige mit den leuchtend blauen Augen bereits putzmunter und fröhlich. Kirsten Christophel richtet den Pferdeschwanz des blonden Mädchens und streicht ihr liebevoll über die Wange. Ein kurzer Blickkontakt zwischen Mutter und Tochter, beide lächeln. Eine alltägliche Szene. Doch für die kleine Mia ist ihr kurzes Leben alles andere als alltäglich verlaufen, denn sie ist ein Pflegekind.

Dass Mia in ihrem kurzen Leben sicherlich schon einiges durchmachen musste, ist klar – denn die Umstände sprechen für sich. Die leiblichen Eltern waren nach Einschätzung des Jugendamtes nicht in der Lage, der Zweijährigen ein behütetes Zuhause zu bieten. Mia kam in eine Bereitschaftspflegefamilie – um das Kind zu schützen. Nach einem Jahr etwa kam sie diesen Sommer zu Christophels. Dort ist sie der jüngste Spross der Großfamilie Christophel, zu der die leiblichen Kinder Glenn-Gunnar (12), Till (17), Melanie (19) und Annika (23) gehören. Mia ist bereits das zweite Pflegekind, vorher gaben Christophels einem Jungen für zweieinhalb Jahre ein Zuhause.

Vater Thomas Christophel sagt zur Motivation, ein Pflegekind aufzunehmen: „Unser Wunsch war es, einem Kind ein Zuhause zu geben.“ Man habe sich mit den leiblichen Kindern zusammengesetzt, den Wunsch besprochen und gemeinsam entschieden. Über eine Zeitungsanzeige entstand der Kontakt zum Netzwerk Erziehungsstellen Kassel (NEK).

Das NEK vermittelt und betreut im Auftrag des Jugendamtes Ersatzfamilien, auch Erziehungsstellen genannt. Das NEK stellt auch die Betreuerin, Familienberaterin Nicole Borghardt-Urban. Die Diplom-Sozialpädagogin steht in engem Kontakt zu Familie Christophel und den leiblichen Eltern. Einmal im Monat findet ein Treffen beider Parteien in den Räumen des NEK statt. Borghardt-Urban sagt: „Die von uns vermittelten Kinder haben immer ein traumatisches Erlebnis gehabt.“ Deshalb sei es umso wichtiger, den Kindern in den Ersatzfamilien einen geschützten Ort zum gesunden und sicheren Aufwachsen zu geben.

Diesen Ort hat Mia bei den Christophels gefunden, die sich auch durch ihre mehrjährige Erfahrung mit Pflegekindern und ihre pädagogischen Qualifikationen, eine wesentliche Voraussetzung, besonders gut als Ersatzfamilie eignen. Dennoch gibt es auch schwierige Phasen, sagt Vater Thomas. Missen wollen er und Ehefrau Kirsten jedoch keinen Moment, die inzwischen drei Jahre Erfahrung als Ersatzfamilie seien wie eine „zusätzliche Ausbildung für uns gewesen“, sagt Mutter Kirsten.

Von Nicolai Ulbrich

Quelle: HNA

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