Familie B. nimmt Integrationskinder der Jugendhilfe Hephata bei sich auf

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Familienbande: Auf dem Sofa wird es eng, wenn Familie B. mit ihren Kindern und Hund Lissi dort Platz nimmt. Gabi (links) und Erwin B. (rechts) haben als Integrationseltern drei Kinder bei sich aufgenommen.

Schwalmstadt. Wenn sich Familie B. aufs Sofa setzt, wird’s eng. Gabi und Erwin B. haben fünf Kinder: Jasmin (24) und Michaela (12) sind Gabi B.s leibliche Kinder, Dalia (17), Marco (8) und Maya (3) sind Familienintegrationskinder. Sie können nicht mehr bei ihren leiblichen Eltern leben.

Die B.s sind im Auftrag des Jugendamtes und der Jugendhilfe Hephata ihre neue Familie.

Im Gegensatz zu einer Pflegefamilie ist in einer Integrationsfamilie eine gelernte Erzieherin zuständig. Gabi B. (46) arbeitete zuvor in einem Wohnheim für psychisch kranke Menschen.

Mit der Geburt ihrer zweiten Tochter stand fest, dass sie sich beruflich verändern, von zu Hause aus arbeiten, eben mehr Zeit mit der Familie verbringen wollte. Und kam so zu der familienintegrativen Hilfe der Jugendhilfe Hephata. Die Familie fand die Idee gut.

Sechs Wochen nach der Bewerbung nahmen sie im Mai 2003 das erste Kind bei sich auf. Seitdem lebten und leben fünf Familienintegrationskinder bei ihnen. Dalia zog als Elfjährige zu Gabi und Erwin B. Sie kommt mittlerweile nur noch am Wochenende nach Hause. Unter der Woche lebt sie in einer benachbarten Stadt, wo sie eine Ausbildung zur Köchin absolviert. Marco gehört seit drei Jahren zur Familie. Er besucht eine Förderschule. Maya ist erst kürzlich in die Familie gekommen. Mit drei Jahren ist sie das jüngste Kind, das Gabi und Erwin B. bislang aufgenommen haben.

Voraussetzungen für die Familie

Bedingungen für eine Tätigkeit in den familienintegrativen Hilfen sind neben der Fachausbildung zum Erzieher, Sozialpädagogin oder Pädagogin auch die Mitgliedschaft in einer christlichen Kirche. Die Fachkraft sollte in einer festen Partnerschaft leben. Leibliche Kinder sind wünschenswert, aber keine Voraussetzung. Ein Auto und eine gültige Fahrerlaubnis sind Voraussetzung. Außerdem findet eine Begehung des Wohnhauses mit der Heimaufsicht statt: Jedes Kind sollte ein eigenes Zimmer von mindestens zwölf Quadratmetern Größe haben. Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit externen Partnern wie Jugendamt, Therapeuten, Kindergarten und Schule wird erwartet.

Die meisten Kinder, die familienintegrative Hilfe brauchen, hatten vorher kein geregeltes Familienleben. „Viele sind noch im Vorschul- oder Grundschulalter“, sagt Hans-Günther Wege, Teamleiter der Jugendhilfe Hephata. Oft sind die leiblichen Eltern psychisch krank oder haben Suchtprobleme. Manche Integrationskinder haben zudem Gewalt- oder Missbrauchserfahrungen gemacht, viele unter emotionaler und körperlicher Verwahrlosung gelitten.

Derzeit arbeiten für die Jugendhilfe Hephata Mitte – die Landkreise Schwalm-Eder, Marburg-Biedenkopf, Vogelsberg und Waldeck-Frankenberg, elf Familien. Benötigt würde das Doppelte.

Die Kinder bleiben meistens langfristig in den Familien, bis sie volljährig sind. So lange ein Kind in einer Integrationsfamilie lebt, ist die erziehende Fachkraft Angestellte der Jugendhilfe Hephata. Aber Familienintegration ist mehr als nur ein Job – es geht auch um Liebe. Gabi B. erklärt das so: „Wenn die Kinder dann da sind, geht man natürlich eine Bindung ein. Das hier wird immer das Zuhause der Kinder sein“, sagt Gabi B. Die Kinder sind Familienmitglieder, trotzdem müssen die Familien für sie ein besonderes Bewusstsein haben.

Auch die Faszination darüber, dass ein Kühlschrank voll sein kann, jeden Tag, kennen die B.s „Eines unserer Kinder hat jeden Tag alle Lebensmittel angebissen, damit sie ihm keiner wegnimmt.“

Den Alltag meistern Integrationsfamilien mit einem Team von Jugendamt, Vormund, Jugendhilfe, Therapeuten und eventuell auch den leiblichen Eltern.

Außerdem stehen regelmäßige Fachgespräche, externe Supervision sowie Fortbildungen an. Gabi B: „Man muss sich auf die Kinder einlassen, ihnen Beziehung und Bindung bieten. Wir haben uns auf jedes Kind gefreut.“

Hinweis: Alle Namen im Artikel wurden von der Redaktion geändert.

Informationen: Hans-Günther Wege, Jugendhilfe Hephata, 06691/183049, hans-guenther.wege@hephata.com

Quelle: HNA

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