Praktisch unsichtbar, aber weithin zu hören: Die Wachtel

Fast das kleinste Huhn der Welt

Kleines Tier, große Stimme: Die Wachtel. Foto: privat/nh

Schwalm. Wer derzeit in den Abend- oder Morgenstunden aufmerksam durch die Feldlandschaft streift, hört früher oder später ein weit tragendes, rhythmisch-schlagendes „tück-tetück, tück-tetück“. So werben die winzigen Wachtelhähne um ihre Weibchen.

Trotz der geringen Körpergröße von 16 bis 18 Zentimetern, die Winzlinge sind kaum größer als ein Spatz, ist der auffallende Wachtelschlag oft mehr als 500 Meter weit zu hören. Ein Mensch mit einer Körpergröße von 1,70 Metern müsste seine Stimme im Vergleich gut fünf Kilometer weit schallen lassen und von der Totenkirche in Treysa noch am Storchennest in Loshausen zu hören sein.

Während die Schwälmer Bauern in den vergangenen Jahrhunderten den dreisilbigen Wachtelschlag mit „Bück´ den Rück´“ übersetzten und als Aufforderung zu harter Arbeit auf dem Feld interpretierten, erkennen die Wachtelweibchen daran die Qualität der rufenden Männchen.

Zu sehen sind Wachteln für den Menschen fast nie. Die heimische Wachtel ist knapp größer als die Chinesische Zwergwachtel, die als kleinster Hühnervogel der Welt gilt, und als Bodenvogel bestens getarnt. Bei der kleinsten Störung bringt sie sich in den Getreidehalmen in Sicherheit.

Wie bei allen Feldvögeln ist der Bestand der Wachtel infolge intensiver Landwirtschaft stark zurückgegangen. Erst seit zehn Jahren nimmt die Zahl der Wachteln wieder zu. Der zunächst heiße Frühsommer 2011 führte sogar zu den bislang höchsten Zahlen rufender Wachteln seit Mitte der 80er-Jahre in der Schwalm.

Allein zwischen Ziegenhain, Loshausen, Willingshausen, Wasenberg und Treysa sind mehr als 20 schlagende Wachtelhähne zu hören. Die Chancen auf eine (akustische) Begegnung mit dem Hühnerzwerg sind derzeit also gut.

Noch in anderer Hinsicht ist die Wachtel ein Rekordhalter. Als einziges Huhn Europas ist sie ein ausgeprägter Zugvogel. Die Winterquartiere des Langstreckenziehers liegen vor allem in Nordafrika, manche Wachteln erreichen sogar den Äquator. Hält man sich vor Augen, dass alle Hühner zwar gut zu Fuß, aber wirklich schlechte Flieger sind, wird die Reise der sperlingsgroßen Minihühnchen von oft weit mehr als 2000 Kilometern zu einer fast unvorstellbaren Leistung.

Von Stefan und Heinz Stübing

Quelle: HNA

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