Forum für interkulturellen Dialog will Gemeinschaft mit anderen Religionen fördern

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Türkische Köstlichkeiten: Die Familien Dalkiran, Firan und Weiß beim gemeinsamen Fastenbrechen. Foto: Yüce

Besse. Sie ist in Besse aufgewachsen. Es war eine unbeschwerte, schöne Zeit. Doch irgendwann stellte Cemile Dalkiran fest, dass immer mehr Menschen sie nicht mehr grüßten. „Ich hatte zwei Möglichkeiten: Ebenfalls nicht grüßen oder den Spieß umdrehen und auf die Leute zugehen", sagt sie.

Die Frau mit dem Kopftuch und diesem freundlichen, offenen Blick tat das Letztere - und nicht nur sie.

Ihre ganze Familie, immerhin 14 Personen, hat damit begonnen, immer mal wieder Menschen aus Besse zu sich einzuladen. Oft dabei ist dann auch der feine Ali, eine Auberginencreme. Die stand auch am Donnerstagabend beim Fastenbrechen bei den Gästen hoch im Kurs.

Monat der Mäßigung

Denn derzeit ist Fastenzeit für Muslime. Der Ramadan ist der Monat der Mäßigung. Muslime, die sich an die Fastenzeit halten, dürfen von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nicht essen und nicht trinken. Gerade im Sommer ist das eine Herausforderung. „Ich habe jetzt 18 Stunden keine Flüssigkeit zu mir genommen. Es geht ja auch darum, sich in Zurückhaltung zu üben“, erklärt Cemile Dalkiran.

Nach der Fastenzeit gehe man anderes mit dem Überfluss um, in dem man lebe. Am Sonntagabend endet die Fastenzeit. Am Donnerstagabend, pünktlich um 21.30 Uhr, hat der Verzicht ein Ende. Denn der Tisch der Familien Dalkiran und Firan ist reich gedeckt. Zu Beginn gibt es für jeden eine Dattel.

„Wir werfen einen Stein ins Wasser, und der zieht immer größere Kreise.“

Danach eine Schale Rote-Linsen-Suppe und neben dem feinen Ali stehen Salate, selbst gebackenes Brot und so manche Köstlichkeit aus der türkischen Küche. Cemile Dalkiran lacht und sagt, „wenn man Hunger hat, bereitet man viel mehr zu.“ Dann greift sie nach ihrem Wasserglas. „Der erste Schluck ist der Beste.“

Daran erfreuen sich auch Alexandra und Jens Weiß, sie sind längst mehr als Nachbarn. Sie gehören fast schon zur Familie, sagen sie. „Was hier passiert, ist total gut, und es ist eine herzliche Atmosphäre“, schwärmt Alexandra Weiß. Sie und ihr Mann fasten nicht. Klar, einige Berührungsängste hätten sie zu Beginn schon gehabt. „Weil man sich fremd war und es eine andere Kultur ist. Aber wir haben uns kennengelernt und festgestellt, dass wir sehr viel gemeinsam haben.“

„Die gleichen Probleme“

„Eigentlich unterscheiden uns fast nur die Klamotten. Wir haben letztlich doch alle die gleichen Probleme“, sagt Cemile Dalkiran. Manchmal diskutieren sie auch über die Weltpolitik, und nicht immer sind sie sich einig. Doch das müsse man auch nicht sein. „Die Hauptsache ist, dass wir uns respektieren.“ Man lerne voneinander. Cemile Dalkiran und Mustafa Firan, der Vorsitzende des Forums für interkulturellen Dialog, betonen, dass es ihnen wichtig ist, so viele Menschen wie möglich zu erreichen. Deshalb organisieren sie auch Kochkurse, Städtereisen, gemeinsame Abendessen und mehr.

Dabei geht es ihnen nicht darum, für ihren Glauben zu werben. Sie wollen Vorurteile abbauen. „Ich stelle mir vor, dass wir einen Stein ins Wasser werfen und der immer größere Kreise zieht“, sagt Cemile Dalkiran. „Was die Weltpolitik nicht schaft, dass schaffen wir hier im Kleinen. Und wenn das immer mehr Menschen machen, dann schaffen wir etwas Großes.“ Beim großen Fastenbrechen-Fest im Dorfgemeinschaftshaus waren unlängst 150 Gäste dabei. Unter ihnen Muslime, Christen und Juden.

Alle sind willkommen

„Wir würden gerne noch mehr Religionen erreichen und alle zusammenführen.“ Eigentlich seien sie farbenblind, sagt Mustafa Firan. „Denn bei uns sind alle Menschen willkommen.“

Auch die Kinder der Dalkirans und Firans wachsen in Besse auf. Sie haben viele Freunde. „Unsere Kinder lernen die unterschiedlichen Kulturen von Beginn an kennen, sie werden später keine Vorbehalte gegenüber Fremden haben.“ - Sie werden gegrüßt und sie grüßen.

Kontakt: Mustafa Firan, Mail: mkolumbus@web.de

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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