Historiker Elmar Brohl aus Marburg sprach am Donnerstag im Museum der Schwalm

Faszination Festungsgeschichte

Bekannt durch seine Publikationen: Forscher Elmar Brohl aus Marburg ist Experte auf dem Gebiet der Festungen. Foto: Rose

Ziegenhain. Er ist Mitglied der deutschen Gesellschaft für Festungsforschung, hat Publikationen über Festungen in Hessen verfasst und gilt als ausgewiesener Experte – Kunsthistoriker und Architekt Elmar Brohl aus Marburg. Am Donnerstagabend läutete Brohl das Festungsjubiläum in Ziegenhain mit einen gewichtigen Vortrag vor 70 Zuhörern im Museum der Schwalm ein.

Wilhelm Dillich habe 1591 einen der ersten Texte über die Ziegenhainer Festung verfasst. Auch die Franzosen, die 1757 einfielen, seien vom Bau fasziniert gewesen: „Sie brachten gleich ein ganzes Heer von Ingenieuren mit“, erklärte Brohl. „Die Präzisionsmessgeräte der Franzosen waren damals brilliant. Die heimische Messtechnik konnte da nicht mithalten.“ Pläne aus dem 16. Jahrhundert zeigten eindrucksvoll das Rondell mit dem Schloss, dem Torturm und dem Schlossturm mit so genannten „Welschen Giebeln“. Die Dachaufbauten, die zeitgleich auch am Kasseler Schloss zu sehen waren, kommen ursprünglich aus Venedig – zu bewundern an der Scuola San Marco. Ähnlich dem Wall in Ziegenhain wurde zur selben Zeit einer in Braunschweig errichtet.

Brohl fand bei seinen Forschungen heraus, dass am Bau der Festung viele polnische Facharbeiter beteiligt waren. „Hessen war mit dem polnischen Königshaus versippt“, verdeutlichte er. Etwa von 1482 bis 1513 kamen „in Wellen“ immer wieder polnische Arbeiter. Zum Teil seien sie auch zur Spionage eingesetzt worden. „Der Landgraf war in dieser Hinsicht genial“, erklärte der Historiker. Auch Kaufleute und Diplomaten setzte er zu diesem Zweck ein. In diesen bewegten Zeiten auch Unmengen von Ochsen von Polen in den Westen transportiert worden. „In manchen Jahren wurden 20 000 Ochsen versteigert – nur für die Fürstenhöfe.“ In großem Umfang arbeiteten auch Frauen und Kinder am Festungsbau mit. „Sie verrichteten Erdarbeiten und Steintransporte“, sagte Brohl. Keine Auskunft gebe es darüber, wo die Menschen untergebracht gewesen seien.

Erweiterungen geplant

Dillich habe 1613 die ersten Verstärkungen für die Festung geplant. „Er wollte die Stadt erweitern und plante sechs Bastionen – realisiert wurde das Vorhaben jedoch nie“, verdeutlichte der Marburger. Auch französische Ingenieure brachten sich 1760 mit Verbesserungsvorschlägen ein. „Doch welchen Wert hatte eigentlich eine Befestigung?“, fragte Brohl und gab sogleich die Antwort: „Durch eine Festung wird das zehnfache an Leuten gebunden.“ Mit der Mär „so fest wie Ziegenhain“ räumte der Kunsthistoriker jedoch auf: „Das war nichts als reine Propaganda.“ • Festzug 475 Jahre Festung Ziegenhain morgen ab elf Uhr

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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