Vorwurf: 39-Jähriger soll Bekannten verletzt haben

Faustschlag führte vermutlich zum Tod

Kassel/Homberg. Die Staatsanwältin redet am Montag doppelt so lange wie die zwei Verteidiger zusammen. Und während die Gegenseite Freispruch fordert, plädiert sie auf fünf Jahre Haft.

Sie sieht den angeklagten 39-jährigen Homberger der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig - begangen im mittelschweren Alkoholrausch. Der Mann solle in einer Entziehungsanstalt untergebracht werden.

Es geht um den Tod eines 55-jährigen. Seine Leiche war im September in seiner Wohnung in der Homberger Innenstadt aufgefunden worden. Der 39-Jährige hatte damals Nachbarn gebeten, die Polizei zu rufen und erklärt, er habe den Kumpel tot entdeckt als er diesen besuchen wollte.

Das hält die Staatsanwältin für eine Schutzbehauptung. Sie will den Verstorbenen auch nicht als Freund des 39-Jährigen bezeichnen. Auf Trinken und Fernsehen sei die Beziehung ausgerichtet gewesen - wobei der Ältere das Bier und den Wodka gezahlt habe, weil der Angeklagte über kein Geld verfügte. Dem 55-Jährigen seien die Besuche zu viel geworden. Als einer seiner Söhne einmal versucht habe, den Angeklagten aus der Wohnung zu bringen, habe der ihn schlagen wollen.

In der Nacht und am Mittag vor dem Auffinden der Leiche hätten Nachbarn viel Lärm aus der Wohnung des Verstorbenen gehört. Eine genaue Tatzeit habe der Rechtsmediziner nicht berechnen können. Klar sei die Todesursache: Stumpfe Gewalt gegen ein Auge, die zu einem so genannten Monokel-Hämatom, einem Abriss der Brückenvene und zu Blutungen des Gehirns führte.

Der Sachverständige, so die Staatsanwältin, sei sich sicher, dass diese Verletzung nicht von einem Sturz stammen könne. Wahrscheinlich sei dem 55-Jährigen ein einziger Faustschlag versetzt worden - und zwar vom Angeklagten. Wie gefährlich das sei, habe dem 39-Jährigen klar sein müssen.

Das sehen die Verteidiger ganz anders. „Nie und nimmer“ sei „derjenige, der den Faustschlag setzte“, davon ausgegangen, dass dies zum Tod des Getroffenen führen würde, erklärt etwa Rechtsanwalt Marcus Mauermann: „Wir haben qualitativ eher eine Situation, die in Richtung eines Unfalls geht.“ Vor allem aber sei nicht klar, wer schlug und in welcher Situation.

Aggressionen unter Alkohol

Es gebe Zeugen, die glaubten, mehr als eine Person in der Wohnung gehört zu haben, so Mauermann. Und er wolle den Toten nicht in schlechtes Licht rücken, aber Familienangehörige hätten ausgesagt, dass dieser sonst herzensgute Mensch unter Alkoholeinfluss habe aggressiv werden können. Zugunsten seines Mandanten könne auch Notwehr nicht ausgeschlossen werden.

Der 39-Jährige selbst erklärte, er sei sehr traurig über den Tod seines Freundes, aber: „Ich habe ihm nichts getan.“

Für Donnerstag ist die Urteilsverkündung geplant.

Von Katja Schmidt

Quelle: HNA

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