Er macht sich nicht viel aus dem Jahreswechsel

So feiert Silvester Silvester

+
Silvester ist für ihn kein Programm: Eigentlich verpflichtet ihn sein Name zum Feiern, aber Silvester Wingerter aus Wichte ist der Jahreswechsel eher gleichgültig. Fürs Foto aber stößt er schon mal mit seiner Freundin Ute Berge an.

Morschen. Als Kind hat sich Silvester Wingerter oft verzweifelt gefragt, was sich denn sein Vater um Himmels willen dabei gedacht hat, als er ihn auf den Namen Silvester hat taufen lassen. Denn seine Klassenkameraden hießen Uwe, Stefan oder Andreas.

Und die hatten wenig Verständnis für einen Namen, wie ihn nur Päpste oder der Jahreswechsel tragen.

"Ich habe mir damals wirklich viel Unfug anhören müssen", seufzt der 49-Jährige aus Morschen-Wichte beim Gedanken an Zeiten, in denen er beim Wort "Silvesterscherz" zusammenzuckte.

Doch das ist alles lange her: Heute ist Silvester Wingerter richtig froh über seinen ungewöhnlichen Namen. Denn der verhindere erstens jede Verwechslungsgefahr, bleibe zweitens im Gedächtnis und bringe ihn noch dazu mit vielen Menschen ins Gespräch. Und Gespräche hat Wingerter viele: Er arbeitet als Busfahrer bei Frölich Reisen in Obermelsungen. Viele Passagiere staunen über das Namensschildchen, das über seinem Platz hängt. Und die wenigsten können glauben, was sie da lesen denn kaum einer kennt jemanden, der Silvester heißt.

Zu diesen Ungläubigen zählte auch seine aus Wichte stammende Lebensgefährtin Ute Berge. Als er sich ihr damals vorstellte, dachte sie an einen Scherz. Sie antwortete leicht genervt "Ja, klar, sicher" und wollte das Gespräch damit beenden. Doch da hatte sie nicht mit seiner Hartnäckigkeit gerechnet: "Es hat wirklich gedauert, bis sie mir geglaubt hat", sagt Wingerter und grinst bei der Erinnerung.

Grinsen muss der Busfahrer aber oft auch, wenn morgens die Schulkinder seinen Bus stürmen und sich freuen, wenn sie "ihren" Silvester sehen. "Die finden meinen Namen alle cool", sagt Wingerter. Und das, obwohl er alles andere als ein Busfahrer sein will, der nur stumm die Türen fürs Ein- und Aussteigen öffnet und schließt.

Im Gegenteil: Wingerter legt Wert auf klare Regeln, auf freundliches Grüßen, auf gutes Benehmen. Bei den Kindern, sagt er, komme das gut an. "Wenn ich mit einem flotten Spruch nur ein einziges wortkarges Kind zum Grüßen bringe, habe ich doch viel erreicht", sagt Wingerter, der den Beruf des Zimmermanns erlernt hat.

Seit zwei Jahren steuert der gelernte für Frölich-Reisen die Busse. Mit Begeisterung. Und seit 16 Jahren lebt er mit seiner Lebensgefährtin Ute berge in Wichte. Ebenfalls mit Begeisterung.

"Meine Frau hat seitdem jeden Tag Silvester", scherzt er. Heute steht nun wirklich der Jahreswechsel an. Doch Silvester Wingerter kann sich Schöneres vorstellen: "Ich bin ja nicht so der Feiertyp", sagt der 49-Jährige. Heute Abend bleibt er deshalb gerne mit seiner Freundin zu Hause und macht es sich dort gemütlich. Silvester kann Silvester echt gestohlen bleiben.

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare