Feinkost in der JVA Schwalmstadt

Im Prüfungsstress: Kajhan S. (links) bereitet ein dreigängiges Menü für seine Abschlussprüfung vor. Küchenchef Gerd Conradi steht ihm zur Seite. Foto: Henniges

Zur Abschlussprüfung kochten fünf inhaftierte Männer ein dreigängiges Menü.

Schwalmstadt. Ein Wohlgeruch durchzog die Lehrküche der JVA Schwalmstadt: Fünf Prüflinge zeigten vor dem Prüfungsausschuss der IHK Kassel, dass in ihnen echte Kochtalente stecken.

Innerhalb von nur vier Stunden mussten die Häftlinge ein dreigängiges Menü zubereiten. Die Grundzutaten waren dabei für alle gleich. Aus einem Warenkorb konnten die Inhaftierten jedoch zusätzliche Produkte auswählen und das Menü verfeinern.

Der Kreativität waren somit keine Grenzen gesetzt. Kajhan S. servierte zum Beispiel als Vorspeise ein Kräuterpilzrisotto mit glasierten Kirschtomaten und Garnelen. Darauf folgte ein Hirschragout mit Cranberries, frischem Rosenkohl und hausgemachten Serviettenknödeln. Zum Abschluss des Gaumenschmauses präsentierte der Auszubildende einen Apfelnussstrudel auf einem Vanillespiegel.

Für Kajhan S. ist die Ausbildung zum Koch nicht einfach nur ein Job: „Ich mache damit mein Hobby zum Beruf. Besonders das kreative Arbeiten gefällt mir gut. Man lernt hier viel Sinnvolles für die Zukunft.“

Große Nervosität

Neben der Kreativität des zusammengestellten Menüs wird auch die Optik der Gerichte und natürlich der Geschmack bewertet. Der Gesamteindruck muss stimmen. Küchenleiter Gerd Conradi weiß um die Nöte der Prüflinge: „Die Männer sind sehr nervös. Aber wir haben derzeit einen sehr guten Jahrgang. Die schriftlichen Prüfungen haben alle hervorragend gemeistert.“

Manchmal direkt in den Job

Für die Umschulung zum Koch können sich Gefangene aus Hessen und RheinlandPfalz bewerben. Dafür stehen 16 Ausbildungsplätze zur Verfügung. Meistens befinden sich die teilnehmenden Häftlinge schon im letzten Drittel ihrer Haftzeit. „Im günstigsten Fall werden sie sogar kurz nach der Prüfung entlassen und suchen sich dann einen Job als Koch“, erklärt Gerd Conradi.

Die zweijährige Umschulung wird vom Berufsforbildungswerk (bfw) im Auftrag des Hessischen Justizministeriums angeboten. Fördergeld gibt es dafür unter anderem vom Europäischen Sozialfonds, es wird vergeben von der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen.

Quelle: HNA

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