Garage dient als Werft für den Bau eines Holzkanus

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Eingespieltes Team: Vera Schorbach und ihr Cousin Julian Fijen passen ihrem selbstgebauten Kanu den hölzernen Rammschutz an.

Naumburg. Die Stadt Naumburg hat doch etwas mehr mit Hamburg gemein, als man denkt - allerdings in angepassten Dimensionen: die Elbe, na klar, und auch eine Werft. Tatsächlich ist im kleinen Städtchen seit knapp einem Jahr Bootsbau angesagt.

Hinter dem Haus Untere Straße 18 entsteht ein Kanu, ein schnittiger Kahn für eine zweiköpfige Besatzung. Die Idee dazu hatte Vera Schorbach. Vor gut einem Jahr, zu Weihnachten, schenkte sie ihrem Cousin Julian Fijen ein Buch. Darin war haarklein beschrieben, wie man auch als Laie mit ein wenig Geschick ein Holzboot bauen kann. Handwerkliches Talent haben beide, an kleineren Objekten - wie Möbeln - haben sie das zuvor schon gemeinsam bewiesen.

Jetzt also sollte es etwas Anspruchsvolleres werden, etwas, wo wirklich sorgfältiges und präzises Arbeiten gefragt ist. Denn wenn bei diesem Projekt gepfuscht würde, stünde einem bald das Wasser bis zum Hals.

Schon beim Essen nach der Bescherung, erinnert sich die 32-Jährige Maschinenbauerin, die gerade an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg ihre Doktorarbeit in Sachen Windkraft schreibt und deswegen etwas unter Zeitnot leidet, haben sie und ihr Cousin über nichts anderes mehr gesprochen, als über ihr neues Projekt, über das richtige Holz. Und direkt nach Weihnachten sind sie dann auch schon in einen Baumarkt gefahren und haben sich Material gekauft: Spanplatten, aus denen Stege geschnitten wurden. Sie wurden in Abständen von gut 30 Zentimetern platziert und gaben die Form für das Boot vor. Auf sie wurde die Beplankung getackert.

Wabbelig wie Spaghetti

Diese besteht aus 22 Millimeter breiten und sechs Millimeter dicken Leisten aus nordischer, astfreier Kiefer. Die Leisten hatten sich die beiden Bootsbauer in einem Sägewerk aus drei dicken Bohlen schneiden lassen, das Einzige, was man als Laie unbedingt dem Fachmann überlassen sollte, wie Vera Schorbach betont. Ostern wurde mit dem Beplanken begonnen. Und das hatte durchaus seine Tücken, denn: „Die fünf Meter langen Leisten sind so wabbelig wie Spaghetti“, sagt die 32-Jährige. Erst wurde eine Leimspur auf die Kanten gepinselt, dann das Holz auf die Querschnitte geheftet.

Danach war vor allem Schleifen angesagt. Die Übergänge zwischen den Leisten sollten nicht mehr fühlbar sein. Erst außen, dann, nach dem Entfernen der Holzquerschnitte auch innen. Eine kleiner Schwingschleifer erleichterte die Arbeit auf der Fläche, aber auch mit der Hand wurde jede Menge Sandpapier bewegt. Das Ganze wiederholte sich, nachdem zur Stabilisierung und sauberen Abdichtung mit Harz getränkte Glasfasermatten aufgetragen worden waren. Weil Cousine Vera viel an der Uni zu tun hatte, wurde der 17-jährige Julian zum Schleifspezialist.

Mit Atemschutzmaske und im Overall schrubbte Julian Fijen so manche Stunde. „Das ging dann schon mächtig in die Arme“, sagt der 17--Jährige grinsend. Vor allem aber im Sommer wurde es in der Montur oft mächtig heiß. Inzwischen drückt den Schüler der Fritzlarer Ursulinenschule dieses Problem bei niedrigen Plusgraden nicht mehr.

Schmaler Rammschutz

Die winterlichen Temperaturen erinnern aber auch daran, dass man dem Termin des Stapellaufs immer näher kommt: An Heiligabend, haben sie sich vorgenommen, soll das Boot, dem man inzwischen auch zwei hölzerne Sitze und einen schmalen Rammschutz verpasst hat, auf dem Naumburger Ententeich zu Wasser gelassen werden. Dann wollen die jungen Bootsbauer mit dem 25 Kilo leichten und 4,60 lange Kanu, das vermutlich auf den Namen Steven getauft wird, in See stechen - mit Holzpaddeln aus eigener Produktion.

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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