Göttinger Trio machte sich über Gott und die Welt und über Fritzlar lustig

Feist ohne Fettleibigkeit

Rot, Gelb, Blau: Ganz schön feist. Christoph Jess, Matthias Zehn und Rainer Schacht waren nicht eine Sekunde lang bei ihrem Auftritt in Fritzlar bescheiden: „Wir sind die Geilsten, wir sind die Tollsten“. Foto: Auerbach

Fritzlar. Mathias Zeh, Rainer Schacht und Christoph Jess sind „Ganz schön feist“. Das hat nichts mit Fettleibigkeit zu tun, sondern mit der Musik, die die drei Künstler produzieren. Das unter diesem seltsamen Namen bekannte Trio aus Göttingen gastierte am Samstagabend im Scala-Varieté in Fritzlar.

Zum Aufwärmen ulkten die Drei und machten sich über die gerundete Saaldecke – „sieht aus wie ein angedeuteter Teilchenbeschleuniger“ – und die „Grabkerzenbeleuchtung“ auf den Tischen lustig. Mit einem Vers begrüßten sie das Publikum (Zitat rechts).

Die Zuhörer ließen sich gerne davon anstecken. Wer die Ohren spitzte und genau hinhörte, erkannte, dass Frontmann Mathias Zeh meist mit geschlossenen Augen und sanfter Stimme kleine Geschichten aus dem Leben besang.

  „Fritzlar, oh du tolle Stadt,   voll schöner, schlauer Leute,   ’ne Stadt, die viel zu bieten hat,   zum Beispiel uns hier heute“.

Ganz schön feist

Seine Erzählungen waren auf eine ironische, eigenwillige Art verfremdet. „Ganz schön feist“ begeisterte mit verblüffenden Texten, die in ausdrucksvollem Gesang verpackt waren, mit einem warmen Gesamtklang, in dem leise Töne vorherrschten, und einer gut inszenierten Show mit schönen Licht- und Nebeleffekten.

Dazwischen changierten die Musikkomödianten hin und her im locker moderierenden Gespräch. Man nahm sich auch selbst aufs Korn. Zeh: „Ich führe öfters Selbstgespräche“. Schacht: „Das ist normal“. Zeh: „Ja, mittlerweile auch in meiner Abwesenheit“. Gelächter.

Siebzehn Lieder von ihrer CD „Klassentreffen“ und aus anderen CDs servierten die Sänger in verschiedenen Musikstilen, mal a cappella nur mit dem Mund gemacht, mal mit Gitarre begleitet oder mit einer Melodika verfeinert und mit verschiedenen Rhythmusgeräten betont. In dem Lied mit dem Titel „Die Tage“ ging es um die missliche Situation des Mannes während der Menstruationszeit der Frau. Beim „Klassentreffen“ wurde der Berichterstatter von einer fremden Frau umarmt und geküsst. Schreck lass nach, es war Bernd vom Leistungskurs Chemie und der hieß jetzt Alexandra.

Dann folgten ein Stimmungswechsel und eine Story mit schlagenden Argumenten. In lebendigem, dreistimmigem Satzgesang und mit tollen Gitarren-Akkorden, besang das Ensemble, wie es zu zwei blauen Augen und einem gebrochenen Arm kam. „Deine Brüder“ haben’s getan.

Trotz langer Texte und einer sich mächtig ziehenden Pause erlebten die Besucher des proppenvollen Scala-Varietés einen kurzweiligen, unterhaltsamen Leichte-Muse-Abend.

Von Michael Auerbach

Quelle: HNA

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