Monokultur und Intensivierung der Landwirtschaft dezimieren Population

Wird immer seltener: Der Feldhase ist auf dem Rückzug

Wird immer seltener: Der Feldhase liebt abwechslungsreiche Äcker. Die findet er aber nur noch selten im Wolfhager Land. Die intensivierte Landwirtschaft und große Flächen mit Monokulturen sind Gründe für die Abnahme der Population. Foto: Delpho

Wolfhager Land. Warme Böden, Getreide, etwas Klee, Lupinen und Gemüse – darauf steht der Feldhase. Sein heutiger Lebensraum allerdings sieht anders aus: Großflächig werden Monokulturen angebaut. Blühstreifen sind selten. Das schmeckt dem Feldhasen überhaupt nicht.

Und so zieht er sich immer stärker zurück aus dem Wolfhager Land. „Es hat einen drastischen Einbruch bei den Hasen gegeben“, sagt Wolfgang Kommalein, Kreisjagdberater im Wolfhager Land. Neben der Intensivierung der Landwirtschaft dezimiert der Einsatz von Pestiziden und Düngern die Population. Parallel zum generellen Rückgang des Bestandes nähmen auch jährliche Schwankungen beim Klima Einluss. Ein zu feuchtes Frühjahr behage den Tieren nicht. Die Langohren wollen es warm, und während der Aufzucht der Jungen benötigen die Muttertiere eiweißhaltige Kost. Die säugen ihren Nachwuchs nämlich nur einmal am Tag, folglich muss die Milch eine Energiebombe sein.

Regelmäßige Zählungen

Scheinwerferzählungen lieferten in diesem Frühjahr lediglich zufriedenstellende Daten für den Bereich des Wolfhager Stadtwaldes, bei Leckinghausen und auch bei Altenhasungen. Bei den Erhebungen wird im Herbst und Frühling zweimal im Abstand von einer Woche die gleiche Route abgefahren. Die Zahl der Hasen, die im Lichtkegel auftauchen, werden ins Verhältnis zur Fläche gesetzt. Kommalein und seine Kollegen gehen bereits seit 20 Jahren nach diesem Muster vor und können den Schwund mit Fakten belegen.

Weitere Hinweise darauf, dass sich der Feldhase auf dem Rückzug befindet, geben die Abschusszahlen für das Wolfhager Land. Wie Dr. Jochen Godt von der Uni Kassel sagt, dürften die Tiere in Jahren stabiler Population zum Zweck der Verwertung geschossen werden. Wie die Untere Jagdbehörde in Hofgeismar mitteilt, wurden in den Jahren 2000 bis 2009 pro Saison zwischen 70 und 140 Tiere erlegt, hinzu kommen in diesem Zeitraum durchschnittlich etwa 40 überfahrene Hasen. In den zurückliegenden drei Saisons wurden pro Jahr etwa 45 Tiere geschossen, ungefähr 25 pro Jahr wurden auf den Straßen des Altkreises getötet.

Fuchs nicht bejagt

Eine Langzeitstudie der Uni Kassel auf der Staatsdomäne Frankenhausen (Grebenstein) hat gezeigt, dass der Bestand der Tiere erhöht werden kann. Auf einer Fläche von 100 Hektar steigerten die Forscher innerhalb von zehn Jahren die Zahl der Tiere von anfänglich zehn auf 60. Sie pflanzten Hecken, verbreiterten Feldsäume und legten Blühstreifen an, die für mehr Artenvielfalt sorgten. Und obwohl der Fuchs als ärgster Feind des Feldhasen in Frankenhausen nicht bejagt wurde, wuchs die Population deutlich.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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