Der Club der Leseratten

Felsberger Bücherei bringt Generationen zusammen

Sie lasen gemeinsam: von links Brigitte Weber (79) und Theresa Weiß (14) in der Felsberger Stadt- und Schulbücherei. Foto: Féaux de Lacroix

Felsberg. Siebzig- und Vierzehnjährige begeistern sich nur selten für die gleichen Dinge. Eine Ausnahme konnte man jetzt in der Felsberger Stadt- und Schulbücherei erleben: In seltener Eintracht saßen da weißhaarige Damen und Mädchen im Teenageralter beisammen und lasen sich Geschichten vor.

Die Bücherei bringt Generationen zusammen - und ist dafür kürzlich mit dem Leseförderpreis des Landes Hessen ausgezeichnet worden. Einmal im Monat treffen sich Senioren aus Felsberg zum Erzählcafé in der Bücherei. Häufig kommen auch Schüler der Drei-Burgen-Schule dazu. „Unser oberstes Ziel ist das Miteinander der Generationen“, sagt Gudrun Rode, Leiterin des Erzählcafés. „Wir haben damit bisher nur gute Erfahrungen gemacht.“

Gemeinsam schreiben Senioren und Teenager dann zum Beispiel Märchen oder informieren einander in kurzen Vorträgen über verschiedene Themen. Oder sie lesen sich gegenseitig Geschichten vor.

Ältere und Jüngere lernen dabei auch voneinander - etwa, wenn Schüler den Senioren einen Computerkurs geben oder wenn Senioren einmal im Jahr eine Unterrichtsstunde an der Schule halten.

Der Vorlesenachmittag für Alt und Jung fand jetzt zum zweiten Mal statt - und ist sehr beliebt, sagt Büchereileiter Eckhard Huneck. „Wir mussten unter den Schülern sogar auslosen, wer etwas vorlesen darf“, sagt er.

Aber was finden die Mädchen so reizvoll an diesen Vorlesetreffen? „Ich mag es einfach, Geschichten vorzulesen und zu sehen, wie die Zuhörer sich freuen“, erklärt Lea Knorr (14). „Es ist erstaunlich, dass wir und die älteren Teilnehmer ganz ähnliche Interessen haben.“ Mucksmäuschenstill wurde es etwa in der Bibliothek, als die Seniorin Magda Brehm einen Text vorlas, in dem ein Schüler den Amoklauf von Winnenden aus seiner Perspektive schildert - ein Thema, dass offenbar Jugendliche genauso bewegt wie ältere Menschen. „Ich habe früher meinen Kindern immer gern vorgelesen“, sagt Brehm. Nun hatte sie ein weitaus größeres Publikum beim Vorlesen - und dabei sichtlich ihre Freude.

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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