Felsberger Fraktionsvorsitzende: Verständnis für Löbers Rücktritt

Enttäuschung: Hilmar Löber am Abend der Bürgermeisterwahl in Felsberg. Die SPD hatte den unterlegenen Kandidaten Stefan Rother unterstützt. Viele sehen den Wahlausgang als Auslöser für Löbers Rücktritt als SPD-Fraktionsvorsitzender. Foto: Archiv

Felsberg. Der Rücktritt von Hilmar Löber als SPD-Fraktionsvorsitzendem in Felsberg stößt auf unterschiedliche Reaktionen bei Felsberger Politikern. Während einige seinen Schritt bedauern, sehen andere darin die Chance für einen Neuanfang.

Bürgermeister Volker Steinmetz sagte gegenüber der HNA, Löber habe den Weg für einen Erneuerungsprozess in der Partei frei gemacht. „Ich denke, dass sein Rücktritt in engem Zusammenhang mit dem Ausgang der Bürgermeisterwahl steht“, so Steinmetz. Die SPD hatte gemeinsam mit CDU, FDP und FWG Steinmetz' unterlegenen Gegenkandidaten Stefan Rother unterstützt.

Auch Jochen Pschibul (Grünen-Fraktionsvorsitzender) sagte, ohne die Bürgermeisterwahl hätte sich die Frage des Rücktritts für Löber wohl nicht gestellt. Generell sei das Stadtparlament derzeit dabei, sich neu zu sortieren - das habe man auch am turbulenten Ablauf der jüngsten Stadtverordnetenversammlung gesehen. In der Sitzung waren viele Beschlüsse mit nur wenigen Ja-Stimmen und vielen Enthaltungen getroffen worden.

In Bezug auf die Kritik, die unter anderem auch in Leserbriefen und Online-Kommentaren gegen den SPD-Fraktionschef laut geworden war, sagte Pschibul: „Da müssen einige aufpassen, dass sie es mit den Angriffen nicht übertreiben. Löber hat nicht alles falsch gemacht, sondern auch viel Gutes auf den Weg gebracht.

Verbale Attacken gegen Stadtverordnete kritisierte auch CDU-Fraktionschefin Silke Böttcher. Sie kenne zwar die individuellen Beweggründe von Löber nicht, aber generell könne man sagen, dass der Druck auf die Felsberger Stadtverordneten gewachsen sei. „Wir werden auf der Straße angepöbelt“, schildert sie, „auf diesem Niveau sind wir in Felsberg inzwischen angekommen.“ Das demotiviere die Stadtverordneten. „Ich weiß nicht, ob alle Mitglieder meiner Fraktion noch zu den nächsten Kommunalwahlen antreten wollen.“

Sie selbst sei gut mit Hilmar Löber zurechtgekommen. „Ich finde es schade, dass er zurückgetreten ist. Er ist ein sehr sozial engagierter Mensch“, sagte Böttcher.

Auch Werner Rippel, FDP-Fraktionsvorsitzender, sprach von einer guten Zusammenarbeit mit Löber. „Ich bedaure seinen Rücktritt sehr.“ Als Stadtverordneter und Fraktionsvorsitzender brauche man eben ein dickes Fell - schließlich werde man oft beschimpft, obwohl man sich engagiere.

Werner Plass (FWG) sagte, es habe sich bereits vor der Bürgermeisterwahl abgezeichnet, dass Löber nicht mehr die Unterstützung der SPD-Basis hatte. Zugute halten müsse man Löber, dass er sich oft dort engagiert habe, wo niemand etwas machen wollte. Den Rücktritt sieht Plass deshalb auch als Chance: „Hilmar Löber hat nach wie vor so viele andere Posten inne, auf die kann er sich jetzt besser konzentrieren“, sagte er. Das sei gut für Felsberg. „Dafür wünsche ich ihm alles Gute.“

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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