Felsberger Handballer holte mit Gehörlosen-Nationalmannschaft Medaillen

Felsberg. Es geht leise zu auf dem Spielfeld, wenn Daniel Kinnback mit der deutschen Handball-Nationalmannschaft um den Sieg kämpft.

Denn der Felsberger und seine Teamkollegen sind schwerhörig oder gehörlos, und während des Spiels dürfen sie keine Hörgeräte tragen so sind die Regeln bei den Deaflympics, den olympischen Spielen für Gehörlose. Über Rufen können die Spieler deshalb nicht kommunizieren.

"Wir verständigen uns mit Blicken und Handzeichen", sagt Kinnback. Das funktioniert offenbar gut: Das deutsche Nationalteam hat nun in Sofia (Bulgarien) zum dritten Mal die Bronzemedaille bei den olympischen Spielen geholt. "Ich hatte ja auf Silber gehofft", gibt Kinnback zu. Der 30-Jährige ist ehrgeizig, auch wenn Handball für ihn nur ein Hobby ist: Hauptberuflich arbeitet er im VW-Werk in Baunatal. "Ich spiele Handball mit Leidenschaft", betont er. Er gilt als Torjäger der Mannschaft, in 36 Länderspielen hat er mehr als 200 Mal getroffen.

Angefangen hat Kinnback mit dem Handballspielen vor knapp 20 Jahren: "Als ich elf war, hat mich ein Kumpel mal mit zum Handball-Training genommen", erinnert er sich. Der Sport gefiel ihm auf Anhieb. Kein Wunder, denn schon sein Vater, der vor einigen Jahren gestorben ist, hatte selbst lange Handball gespielt. "Das habe ich von ihm geerbt", sagt Kinnback und lacht. "Aber das ich mal auf die internationale Schiene komme, das hätte ich früher nicht gedacht."

Wenn Kinnback nicht mit der deutschen Nationalmannschaft auf Tour ist, spielt er für den TSV Ost-Mosheim als einziger Schwerhöriger. Die Verständigung mit seinen Teamkollegen sei aber kein Problem, sagt er: "Da darf ich ja mein Hörgerät tragen, damit verstehe ich fast alles." Als Hindernis empfindet Kinnback seine Hörschwäche nicht. Er kennt es nicht anders, mit vier Monaten bekam er bereits sein erstes Hörgerät. "Das hat auch seine Vorteile man muss nicht alles mitkriegen", sagt Kinnback und grinst.

Eigentlich sollte er sich gerade schonen, denn er hat sich am Fuß verletzt schon bei den olympischen Spielen spielte er unter Schmerzen. "Der Arzt sagt, ich habe Sportverbot", sagt Kinnback. Aber stillhalten ist nicht sein Ding. "Ohne Ball geht nichts", erklärt der 30-Jährige, und fügt hinzu: "Für den Sport habe ich immer alles gegeben." Zum Handballtraining geht er also trotz Verletzung. Und die nächsten Ziele hat er schon vor Augen: "2016 ist Europameisterschaft in Hamburg, und 2017 die olympischen Spiele in Ankara", sagt Kinnback. Vielleicht klappt es dann ja mit der Silbermedaille.

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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