Robert Weinstein wurde von Nazis zu Tode gehetzt

Felsberger Platz wird nach Pogrom-Opfer benannt

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Weinsteinplatz

Felsberg. Zuletzt hat er für Streit gesorgt, doch am heutigen Freitag sollen versöhnliche Töne rund um den Platz am Untertor in Felsberg angestimmt werden. Der bislang namenlose Platz wird heute Abend in "Robert-Weinstein-Platz" umbenannt.

Er erinnert dann an den jüdischen Kaufmann, der beim Felsberger Pogrom am 8. November 1938 ums Leben kam. Die Gedenkfeier beginnt um 19.30 Uhr auf dem Platz.

Mit der Enthüllung des Schildes "Robert-Weinstein-Platz" wird in Felsberg das erste öffentliche Mahnmal für Robert Weinstein geschaffen 75 Jahre nach seinem Tod. Am Abend des 8. November 1938 wurde er von SA, SS und Hitlerjugend aus seinem Haus gehetzt. Der schwerkranke Mann starb draußen auf der Straße an einer Herzattacke. So schilderte es sein Cousin Siegmund Weinstein 1947 gegenüber der US-Militärregierung in Melsungen.

Die Familie Weinstein hatte über Generationen hinweg in der Drei-Burgen-Stadt gelebt. Robert Weinstein selbst wurde am 28. Februar 1883 in Felsberg geboren. 1907 eröffnete er dort ein Textilwarengeschäft. Mit seiner Frau Dina Goldschmidt hatte er drei Söhne und eine Tochter.

Robert Weinstein soll der SPD angehört haben, war Stadtverordneter und stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher. Darüber hinaus war er Mitglied in vielen Vereinen und engagierte sich für die Gründung einer Privatschule in Felsberg, die 1941 geschlossen wurde. Obwohl Robert Weinstein so in Felsberg verwurzelt war, wurde er in Kassel beerdigt. In der Drei-Burgen-Stadt konnte er nicht beigesetzt werden, zu aufgeheizt war dort die Pogromstimmung, erinnerte sich Siegmund Weinstein: "Die Schuljugend war so aufgehetzt, dass, als die Leiche des zu Tode gehetzten Robert Weinstein nach Kassel befördert wurde, die frechen Kinder mit Steinen den Toten bewarfen, dazu johlten sie ausgelassen."

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Ein Grabstein von Robert Weinstein steht also nicht in Felsberg doch ab heute wird ein Straßenschild mitten in der Altstadt seinen Namen tragen.

Nur das Erscheinungsbild des künftigen Robert-Weinstein-Platzes passt noch nicht wirklich zu einem Mahnmal. Noch immer ist unklar, wann der Platz umgestaltet wird. Immerhin wurden die Bodendecker, die einen Teil des Platzes überwuchern, am Donnerstag zurückgeschnitten, berichtete Ortsvorsteher Klaus Döll.

Der Ideenwettbewerb zur Gestaltung des Platzes sei erst einmal zurückgestellt, sagte Bürgermeister Volker Steinmetz einen solchen Wettbewerb wolle man erst anstoßen, wenn der Bau der Umgehungsstraße feststehe.

Denkbar sei nun eine Gestaltung eines Teils des Platzes nach dem Entwurf, den zwei Felsberger Künstlerinnen angefertigt hatten (die HNA berichtete). Ortsvorsteher Döll hatte diesen Entwurf ins Gespräch gebracht. Allerdings müsse die Finanzierung noch geklärt werden, sagte Bürgermeister Steinmetz.

Das ehemalige Schulhaus der jüdischen Gemeinde in Felsberg: In diesem Gebäude in der Obergasse 6 lebte Robert Weinstein, der am 8. November 1938 beim Pogrom ums Leben kam.

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Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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