Russischer Kaiser im Zug: Felsberger sammelte Anekdoten rund um die Eisenbahn der Stadt 

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Das Foto aus dem Familienbesitz von Stefan Umbach wurde vermutlich um 1900 aufgenommen. Es zeigt das alte Gensunger Bahnhofsgebäude, für das derzeit eine neue Nutzungsmöglichkeit gesucht wird. Der Mann vorne rechts in der hellen Jacke ist Umbachs Ururgroßvater Adam Lipp.

Felsberg. Heute ist es für die Menschen in Wolfershausen und Altenbrunslar selbstverständlich, dass sie vor ihrer Haustür in den Zug einsteigen können. Aber dafür haben die Bewohner der beiden Felsberger Stadtteile jahrzehntelang gekämpft.

Diese und viele andere Anekdoten aus der Felsberger Eisenbahngeschichte hat Stefan Umbach ausgegraben.

Seine Ergebnisse stellte er jetzt in einem Vortrag im Felsberger Stadtarchiv vor. Dazu passend präsentierte Peter Hoppe unter anderem ein selbstgebautes Modell des Gensunger Bahnhofs der übrigens vor 165 Jahren eröffnet wurde.

"Ich habe mich schon als Kind mit dem Thema Eisenbahn beschäftigt", sagt Umbach. Das liegt bei ihm in der Familie, schließlich waren sein Vater, sein Großvater und sein Ururgroßvater Eisenbahner. Als er dann gebeten wurde, für die Dorfchronik zur 950-Jahrfeier von Wolfershausen einen Beitrag über die dortige Haltestelle zu schreiben, ließ ihn das Thema nicht mehr los.

Seine Recherchen führten ihn in die Murhardsche Bibliothek in Kassel, ins Hessische Staatsarchiv in Marburg und ins Felsberger Stadtarchiv. Umbach wühlte sich durch alte Zeitungen, Fahrpläne und Briefe, und stellte fest: Während in Gensungen bereits 1849 ein Bahnhof für die Main-Weser-Bahn eingerichtet wurde, bekam Wolfershausen erst 1892 und Altenbrunslar 1902 eine eigene Haltestelle. "Die königliche Eisenbahndirektion Kassel hat die Anträge der beiden Dörfer zweimal abgelehnt", sagt Umbach. Ein Grund dafür war wohl die fehlende Brücke in Wolfershausen: Sie wurde erst 1889 gebaut.

Als dann der Wolfershäuser Haltepunkt genehmigt und eingerichtet wurde, hätte dies fast das Aus für Altenbrunslar bedeutet: Das Kasseler Eisenbahn-Betriebsamt schlug damals in einem Brief an das Ministerium für öffentliche Arbeiten vor, die Haltestelle in Altenbrunslar abzulehnen da es 2,5 Kilometer entfernt, in Wolfershausen, ja bereits einen Halt gebe.

Bei seiner Suche in den Archiven stieß Stefan Umbach auch auf andere interessante Begebenheiten: etwa, dass der russische Kaiser mit seiner Familie 1853 mit dem Zug auch durch Gensungen fuhr. Weniger vornehm waren hingegen die Passagiere, die 1849 an einer Probefahrt teilnehmen wollten. Am Bahnhof in Wabern stiegen sie ein, waren aber so betrunken, dass sie sich gleich mit dem Personal anlegten und eine Schlägerei anzettelten. Der Maschinist löste das Problem ganz pragmatisch: Er koppelte die Lok ab und fuhr ohne die Waggons weiter. Termin: Wer mehr über den Eisenbahnverkehr in Felsberg hören möchte, hat dazu im November die Gelegenheit: Dann will Stefan Umbach seinen Vortrag im Stadtarchiv wiederholen. Das genaue Datum wird noch bekanntgegeben.

Von Judith Féaux de Lacroix

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Quelle: HNA

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