Radwegebeauftragter fehlt

Felsbergs Fahrradwege in der Kritik

Auf dieser Brücke fährt es sich gut: Aber das sei die Ausnahme auf Felsbergs Radwegen, kritisiert der ehemalige Radwegebeauftragte Werner Fenge. Fotos: Féaux de Lacroix

Felsberg. Die Stadt Felsberg hat seit langem keinen Radwegebeauftragten mehr - und ein neuer ist nicht in Sicht. Wir haben uns mit dem früheren Beauftragten auf den Radrouten umgesehen.

Wer mit dem Fahrrad in Felsberg unterwegs ist, sollte vorsichtig fahren. Denn immer wieder gibt es Beschwerden über den Zustand der Wege, häufig stürzen Radfahrer auf den Strecken. Das jedenfalls berichtet Felsbergs Ortsvorsteher Klaus Döll.

Mehrfach seien Radfahrer durch losen Schotterkies, der unvermittelt - etwa in einer Kurve - auftauchte, ins Straucheln geraten und gestürzt. Auch ein Kind sei unter den Unfallopfern gewesen.

Der HNA liegt zudem ein Schreiben eines Vorstandsmitglieds der Kreisverkehrswacht aus dem Juli dieses Jahres vor, in dem dieser den schlechten Zustand des Schwalmradwegs und des Radwegs neben der B 253 Richtung Gensungen kritisiert. Beide Radwege seien „nicht mehr in einem verkehrssicheren Zustand“.

Diese Beschwerden wären ein Thema für den Radwegebeauftragten - doch Felsberg hat seit bald zwei Jahren keinen mehr. Zuletzt hat Werner Fenge dieses Amt ausgeübt. Eigentlich war der 75-Jährige geradezu prädestiniert für den Posten. Schließlich fährt er nach eigenen Angaben jedes Jahr 3000 Kilometer mit dem Fahrrad - und kennt die Radwege der Drei-Burgen-Stadt wie seine Westentasche.

Doch zum 1. Januar 2013, nicht mal zwei Jahre, nachdem er das Ehrenamt von seinem Vorgänger Dr. Gert Meyer übernommen hatte, trat Fenge wieder zurück. Er hatte nicht den Eindruck, als Radwegebeauftragter in Felsberg wirklich etwas bewegen zu können: „Die Stadt hat mich hängen lassen“, beklagt Fenge, „das ist frustrierend.“

Als Beispiel nennt er den Radweg nahe des Böddiger Bergs. Dort habe es eine gefährliche Stelle gegeben: Der Weg führte steil bergab, und der Boden war so uneben, dass große Sturzgefahr bestand. „Darauf habe ich die Stadt hingewiesen“, sagt er. „Aber dann hat es vier Wochen gedauert, bis an dieser Stelle eine Warnbake aufgestellt wurde.“ Inzwischen sei der Schaden am Bodenbelag behoben worden - die Warnbake steht allerdings immer noch.

Schlechtes Bodenmaterial 

Das Problem in Felsberg sei, dass die Radwege zwar immer mal wieder ausgebessert würden - aber mit schlechtem Material, das nicht lange halte. „Felsberg hat einfach kein Geld, um die Radwege-Situation zu verbessern“, räumt Werner Fenge ein. Das sei aber nicht immer so gewesen: „Die Stadt hat es verschlafen, etwas zu machen, solange es noch Geld dafür gab.“

So ganz loslassen kann Werner Fenge als begeisterter Radfahrer aber doch nicht: „Ich gebe der Stadtverwaltung weiterhin Tipps und sage, was schlecht ist.“

Das sagt der Bürgermeister: 

„Ich würde es begrüßen, wenn wir wieder einen Radwegebeauftragten hätten“, sagt Felsbergs Bürgermeister Volker Steinmetz. Leider habe sich aber seit dem Rücktritt von Werner Fenge niemand mehr gemeldet, der dieses Amt ausüben wolle. Grundsätzlich könne jeder Vorschläge für einen neuen Radwegebeauftragten machen. Zu den Vorwürfen von Werner Fenge sagt Steinmetz: „Ich teile die Kritik, dass die Arbeiten an den Radwegen nicht immer zu unserer Zufriedenheit erledigt wurden.“

Das sei aber der Fehler der beauftragten Baufirmen gewesen. Es sei allerdings auch schwierig, jedem Wunsch nachzukommen, denn das Budget der Stadt für den Erhalt der Radwege sei begrenzt: auf 10 000 Euro jährlich. Steinmetz stellt aber auch klar: „Wir haben im ganzen Stadtgebiet keinen einzigen echten Radweg.“ Es gebe in Felsberg nur Feldwege, auf denen Radrouten verlaufen. Diese Feldwege dürften eben auch von schweren landwirtschaftlichen Fahrzeugen genutzt werden - und die hinterließen zum Teil große Schäden auf den Wegen.

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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