Mit Blei, Quereisen und Kitt am Werk – Arbeiten an der Stadtkirche dauern bis Juni

Fenster geben Kirche ein Gesicht

Einladend: Das Kirchenschiff der Stadtkirche Treysa.

Treysa. Fenster geben Häusern ein Gesicht: Sie öffnen den Blick für das, was hinter den Scheiben liegt. Ein neues Gesicht bekommt die Stadtkirche in Treysa. Seit einem Jahr sind die Mitarbeiter der Glas-Spezialfirma Ernst Kraus aus Weimar am Gotteshaus beschäftigt. Dass das alles andere als schnell geht, liegt an den Fenstern, die das Gesicht des historischen Gebäudes auch in Zukunft wahren sollen.

Mitarbeiter David Möhr ist wieder mehrere Tage an der Stadtkirche beschäftigt. Zu erkennen ist das an den Gerüsten. Denn der Glaser arbeitet von außen – ein zugiges Unterfangen. Denn Möhr schneidet zunächst die alten Scheiben aus dem Stein heraus. „Das Besonderes an dieser Kirche ist, dass jedes Fenster unterschiedlich groß ist“, erklärt der Experte. Von der Stange gibt es diese besonderen Gläser nicht.

Das Glas, drei Millimeter stark, wird eigens angefertigt – mundgeblasen in der Glashütte Lamberts in Waldsassen. „Jedes Glas ist ein Unikat“, erläutert Möhr. Die Fenster der Stadtkirche bestehen aus 16 bis 20 Rechtecken: Die Weimarer Firma bereitet das Glas in der Werkstatt vor. „Nach dem Zuschnitt wird das Glas eingebleit“, erläutert der Glaser. Dazu gehöre das Verlöten der Kreuzpunkte, die auf den neuen Fenstern zu sehen seien. Allein diese Arbeit dauere in der Werkstatt etwa zweieinhalb Tage.

Dann wird das filigrane Schmuckstück eingebaut. „Und das ist nur ab einer Temperatur von plus fünf Grad möglich“, sagt Möhr. Denn beim Einbau des historischen Fensters werde das Verkitten der Bleiruten nötig: „Und der Kitt wird bei Kälte zu steif.“

Quereisen zur Stabilität

Um dem Fenster mehr Stabilität zu verleihen, müssen Quereisen eingesetzt werden. Dabei sei Geduld gefragt: „Für ein Fenster benötigt man etwa zwei Wochen“, sagt Glaser. Denn zu den Quereisen werden noch Windeisen gesetzt, die mit dem Stein verbohrt werden – und von Außen und Innen verputzt.

Stolz ist der Glaser immer dann, „wenn es läuft“. Das bedeutet: „Wenn das Blei durchläuft, so genannte Rauten entstehen, das ist ein schönes Ergebnis. Bis Juni soll das Großprojekt des Spezialbetriebes abgeschlossen sein. Ihre Arbeit wird das Gesicht der Stadtkirche prägen. „100 Jahre sollten die Scheiben, die schlagregendicht sind, halten“, erklärt David Möhr.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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